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Das Wetter in der Kunst. Bilder aus der Kälte - James McNeill


Whistler Schnee in Chelsea 1876


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Nocturne: Grau und Gold - Schnee in Chelsea
Bildbetrachtung von Inga Schnekenburger

Diese selten stimmungsvolle Nachtszene eines Winter-Bildes, in der der Schnee wie ein weicher Teppich vor uns ausgebreitet wird, hat eine seltsam warme Ausstrahlung. Die lockenden warmen Lichter ziehen den Betrachter ebenso wie die dargestellte Gestalt zu den Häusern.

Der gesamte Vordergrund ist eine einzige Schneedecke. Durch die Mauer links und die Straße rechts oben wird eine perspektivische Bewegung in Richtung Bildinneres erzeugt. Es geht vorwärts, es geht aufwärts, es geht dem Licht und den bewohnten Häusern entgegen. Wie Sterne funkeln die Lichter der weiter zurückliegenden Häuser. Die Grenze zum Nachthimmel ist weich und ohne erkennbare Konturen gemalt.

Das Gemälde erzählt von "nach Hause kommen", es erzählt von einem Menschen, der allein nachts auf der Straße ist, und doch ist nichts von Bedrohlichkeit zu spüren. Die Wärme, die das Bild - trotz des vorhandenen Schnees - ausstrahlt, mag die wohlige Wärme vorwegnehmen, die den nächtlichen Wanderer im Haus erwartet.

Und wenn man das Bild länger betrachtet, dann wird der Schatten im Fenster des Hauses lebendig: Ein Mensch, der schon lange wartet? Die Person auf der Straße befindet sich optisch zur Hälfte (mit den Beinen) im Schnee, zur anderen Hälfte (mit dem Oberkörper) verschmilzt sie mit der Wand des Hauses. Die Harmonie ergibt sich auch aus der Komposition: Der Goldene Schnitt wird hier gleich doppelt angewandt, und im Schnittpunkt befindet sich die Figur.

Grau und Gold - eine herrliche Farbkombination. Grau ist die "ärmste" aller Farben, Gold die "reichste". Ein Kontrast muss sich allein schon durch die Farben ergeben und er wird verstärkt durch "außen" (Straße, Schnee) und "innen" (goldene Lichter, die aus den Häusern scheinen).

Ein Meisterwerk der Komposition, der Farbgebung, der Aussage und der Malweise: alles verschmilzt zu einer Symphonie. I.S. 2001

Abbildung oben: James McNeill Whistler, 1876
Nocturne: Grau und Gold- Schnee in Chelsea
47,2 cm x 62,5 cm. Fogg Art Museum, Cambridge, Massachusetts

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wundervoll beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins weite Feld,
hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

von Joseph von Eichendorff

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