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Gedichte über Tiere: Der Hering und die Auster

Eine traurige Geschichte

Ein Hering liebt eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und Trachten
Ein Kuss von ihrem Mund.

Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.

Nur eines Tages erschloss sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
Beschaun ihr Antlitz klar.

Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht, an einem Kusse
In Ehren sich zu freun.

0 Hering, armer Hering,
Wie schwer bist du blamiert!
Sie schloss in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.

Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht: "In meinem Leben
Lieb ich keine Auster mehr!"

Josef Victor von Scheffel (1826-1886)

Abbildung: Fisch und Muscheln, blau, grün auf gelbem Grund. Hiroshige, Ichiyusai

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Abbildung: Fisch und Muscheln, blau, grün auf gelbem Grund. Hiroshige, Ichiyusai, * 1797 Tokio, † 1858 Edo (Tokio). Wirkungsorte: Tokio

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