Tiere in der Kunst - Startseite


Gedichte über Tiere: Der Esel des Buridan

Der Esel des Buridan

Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden -
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um -
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!

Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er stehn
und fällt vor Hunger um -
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! -

Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge -
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah -
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!

Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber stehn und stehn dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!

1842, Robert Eduard Prutz (1816-1872)

Trial Of 'Bill Burn' (Ausschnitt)

Linktipp: Eselseite bei tierdach.de

Bild: Trial Of 'Bill Burn' (Ausschnitt): Dieses Bild karikiert die erste Verhandlung gegen Tierausbeutung. Der Esel erscheint im Gericht als Zeuge. Der englische "Martin's Act" war das erste Tierschutzgesetz. Gravur von Charles Hunt nach einer Abbildung von P. Mathews.

zum nächsten Tiergedicht >>