Tiere in der Kunst - Startseite


Gedichte über Tiere: Gedicht über den Schwan

Schwan Foto von Inga Schnekenburger
"Einsamer Schwan " Foto von © Inga Schnekenburger, Juni 2003

 

Stiller Augenblick

Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern
Streifend an abendrötlichen Weihern
Wallest du deine Bahn;
Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,
Wo an herbstlichen Uferhöhen
Zieht entlang ein stummer Schwan.

Still und einsam schwingt er die Flügel
Tauchet in den Wasserspiegel,
Hebt den Hals empor und lauscht;
Taucht zum andern Male nieder,
Richtet sich auf und lauschet wieder,
Wie's im flüsternden Schilfe rauscht.

Und in seinem Tun und Lassen
Will's mich wie ein Traum erfassen,
Als ob's meine Seele wär',
Die verwundert über das Leben,
Über das Hin und Wiederschweben,
Lugt' und lauschte hin und her.

Atme nur in vollen Zügen
Dieses friedliche Genügen
Einsam auf der stillen Flur!
Und hast du dich klar empfunden,
Mögen enden deine Stunden,
Wie zerfliesst die Schwanenspur!

Gottfried Keller

 

Linktipps:

Ein weiteres Tier-Gedicht von Gottfried Keller bei onlinekunst.de:
Am fliessenden Wasser
Ein Fischlein steht am kühlen Grund,
Durchsichtig fließen die Wogen...

"Er rauschte durch alle Götterhimmel und die Affäre mit Leda war das Lieblingsmotiv ganzer Malergenerationen" Schwanenseite bei tierdach.de

zum nächsten Tiergedicht >>