rosa Rose

Foto von Willi Schnekenburger 2001

 

Es war ein Rös’gen auffgegangen

Es war ein Rös’gen auffgegangen
Von Farbe war es Blut und Schnee;
Nach diesem trug ich ein Verlangen
Und that mir seinet halben weh.

Jch wolte dieses Blümlein brechen
Und griff mit Freuden schon darnach;
Begunte gleichwol mich zu stechen
Dieweil ich allzukühne brach.

Die Rose blieb auff ihrem Dorne
Jch aber gieng betrübt von ihr
Und sahe sie nun an mit Zorne
Nach der ich vormahls trug Begier.

Doch, dacht ich, laß die Rose stehen
Wer weiß, was vor ein Wurm sie nagt.
Denn mancher pflegt nach dem zu gehen
was ihn hernachmahls ewig plagt.

Es ist offt dem was angeschmeisset
Da man vor noch so reine hält
Und was von aussen schöne gleisset
Jst offt von innen schlecht bestellt.

Sie ist dir nicht bescheert gewesen;
Vielleicht ist wo ein ander Beet
Da du solt eine Rose lesen
Die besser dir, als diese steht.

Wenn Blumen ihre Brecher schmähen
Nur weil sie hoch und schöne sind
So wird man sie entblättert sehen
So wird sie rühren Sturm und Wind;

Jst aber sonst was, so sie schützet
So mögen sie beschützet seyn.
Es weiß doch niemand was ihm nützet
Gott siehet unser Glück allein.

Gedicht von Albrecht Christian Rotth (1651-1701)

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