
Foto
von Inga Schnekenburger 2004
Elegie
auf eine Rose
Die schönste Rose, die der Lenz gebar,
Verdorret, liegt
Mit welkem Busen und zerstreutem Haar
Im Staube, und zerfliegt.
Sie,
die Aurorens jungen Purpurstrahl
Am Morgen trank,
Erblaßte schon, da in das Veilchental
Der milde Abend sank.
Entpurpert
liegt sie da! Kein Ambraduft
Strömt um sie her.
Sie hauchet in die blaue Frühlingsluft
Ach, keine Wonne mehr.
Du
wurdest ungebraucht dem Stamm entwandt,
O Florens Lust,
Kein Jüngling pflanzte dich mit froher Hand
Auf seines Mädchen Brust.
Von
einem Wirbelwind ringsum bestürmt,
Sank sie dahin,
Da Donner sich am Himmel aufgetürmt,
Die Blumenkönigin.
Nun
bettet sich kein West in ihren Schoß!
Selinde sprach,
Indem ein Tränchen ihr vom Auge floß,
Die schöne Rose, ach!
Gedicht
von Ludwig Christoph Hölty (1779-1852)
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