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Das Rind in der Kunst - Vom Rinderkult zum Rinderwahn
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1. Die Rinderdarstellungen der ersten Künstler: von den Ursprüngen der Kunst

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"Jagdzauber"

In der jüngeren Altsteinzeit, während der letzten Vergletscherungen, als der Homo sapiens den Neandertaler verdrängte, wurden Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein hergestellt. Es traten auf Knochen und Platten die ersten Ritzzeichnungen auf. Wir wissen nicht, ob diese ersten Zeichnungen magische oder dekorative Zwecke erfüllten.

Höhlenmalerei eines Bisons

links: Stehender Bison,
Höhlenmalerei aus Altamira, Spanien, Mittleres Magdalenien

rechts: Rinderbild aus der Höhle von Lascaux, Spätes Magdalenien

Rinderbild aus der Höhle von Lascaux Spätes Magdalenien

Der Ursprung der Kunst

Die mit Kerbschnitten, Zacken und Stichen versehenen Knochenfragmente sind die ersten Vorstudien der Gravierkunst, die ersten Andeutungen von Dekor und die ersten Schritte zur Schrift. Während des Aurignacien (bis 30.000) bilden diese Linien dann stilisierte Tierköpfe, Skizzen, aber deutlich erkennbar.

Auffallend ist, dass die Tierköpfe oft in Verbindung mit weiblichen Geschlechtsorganen abgebildet wurden. Es könnte sich um einen Fruchtbarkeitskult gehandelt haben. Die Ideenverbindung zwischen Tier und dem weiblichen Prinzip sind wahrscheinlich die allerersten Anfänge einer Religion. Diese Verbindung ist während der Steinzeit, meist auf Felsbildern, häufig zu finden.

Malerei an den Felswänden und Gravierung auf Knochen und Platten tauchen gleichzeitig und manchmal am selben Ort auf. Die Gravierung aber war früher da als die Malerei an den Felswänden: Sie ist der Ursprung der Malerei.

Rinderbild aus der Sahara, Detail

Tassili-n-Ajjer
Sahara Rinder

links: Detail, Rinderkopf

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Rinderbild aus der Sahara, Detail Rinderbild aus der Sahara, Detail

Die Malerei zeigte sich in den Anfängen als fleckhafte Spuren, als die Ritzzeichnungen schon größere technische Sicherheit zeigten. Die ersten Malereien entstanden mit den Händen, dann kamen "Geräte" wie Holzstücke hinzu. Es wurden auch mit den Händen bearbeitete Lehmteile gefunden. Die Ausdruckskraft der Malereien war jedoch stärker als die der Ritzzeichnungen.

Jedoch gibt es interessante Funde, die in Erstaunen versetzen: Ein Kieselstein aus Laugerie-Haute zeigt eine Ritzzeichnung, die keinen dekorativen ("Muster"-) Charakter hat, sondern einzig und allein die Oberfläche des Kiesels so belebt, dass die natürlichen Gegebenheiten hervortreten und sie farblich bereichern! Menschliche Handabdrücke wurden an den Felsen bei Kultstätten häufig gefunden. Dabei wurde variiert: Es gibt Negativabdrücke und Nachzeichnungen der Hand und positive Abdrücke. Sie sind authentische menschliche Zeugnisse und wirken wie Unterschriften.

Die australischen Eingeborenen verfahren heute noch so: sie legen eine Hand auf einen Felsen und pusten mit aller Kraft im Mund gelöste Erdfarben auf die Hand. Dann bleibt ein Negativabdruck. Im Unterschied zum Handabdruck mag das Verfahren den Menschen mehr das Gefühl gegeben haben, etwas zu "erschaffen".

Bison 12000 v. Chr.

Dann genügten ihm Abdrücke der Finger und einfache Ritzlinien nicht mehr.

Bison, verletzt 12000 v.Chr.Studie und Skizze

links: Stehender Bison, Studie mit abstraktionen
Höhlenmalerei aus Altamira, Spanien, 12000 v. Chr.

rechts:Verwundeter Bison, Kohlezeichnung in der Höhle von Niaux, Skizze, Frankreich, 12000 v. Chr.

 

Abbildung unten rechts: Lascaux, Dordogne, Frankreich, Bisons am Gewölbe, Älteres Magdalenien. Hier sieht man besonders deutlich, wie kunstvoll die Gegebenheiten des Felsgesteins in die Darstellung mit einbezogen wurde.

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Lascaux, Dordogne, Frankreich, Bisons am Gewölbe, Älteres Magdalenien.Es wurden Tiere dargestellt

Eins der ältesten Beispiele ist der Bison aus der Höhle Greze. Es zeigt eine Gravierung, die ungeheuer präzise ausgeführt ist, in einem Zug durchgeführt, mit biegsamer, nervöser Rückenlinie. Anfangs glaubte man, die abgebildeten Tiere an den Höhlenwänden wären in zufälliger Reihenfolge angeordnet. Neueste Forschungen haben aber ergeben, dass es sich um Kompositionen handelt. Die fortlaufenden Bilder im Gang von Croze-a-Gontran in Les Eyzies stehen in einem organischen Zusammenhang. Erst kommen immer feine Zeichen, dann die Tiere: eine Gruppe von Pferden und Rindern zwischen einem Mammut und einem Steinbock. Während die Gravierung auf Knochen und Rentiergeweihen eine ständig verfeinerte Ritzzeichnung war, bezog die Gravierung auf den Felsen von Anfang an die gegebenen Oberflächen mit ein. Erhebungen und Mulden wurden für die künstlerische Absicht mit einbezogen. So trat die Form noch plastischer aus dem Felsen hervor.

Der Stein war wie ein malerisches Element Teil der Komposition. Später kam die Idee, eine plastische Figur aus dem Felsen zu hauen. In Laussel fand man die Figur einer Frau mit einem Tierhorn. So kann man vielleicht aus diesen frühen Zeugnissen ableiten: Erst war die Zeichnung, dann die Malerei und das "Kneten" von Ton, dann das Relief, dann die Bildhauerei (eine ähnliche Entwicklung ist auch bei Kindern zu beobachten).

Aber das Tier spielte immer eine besondere Rolle, und bei den Tierabbildungen am Anfang besonders der Bison und die Rinder.

I.S.

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