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Die Sonette an Orpheus XXIX

Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
wie dein Atem noch den Raum vermehrt.
Im Gebälk der finstern Glockenstühle
laß dich läuten. Das, was an dir zehrt,

wird ein Starkes über dieser Nahrung.
Geh in der Verwandlung aus und ein.
Was ist deine leidendste Erfahrung?
Ist dir Trinken bitter, werde Wein.

Sei in dieser Nacht aus Übermaß
Zauberkraft am Kreuzweg deiner Sinne,
ihrer seltsamen Begegnung Sinn.

Und wenn dich das Irdische vergaß,
zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.

Rainer Maria Rilke

Zu der stillen Erde sag : Ich rinne  Computergrafik von Inga Schnekenburger zu einem Gedicht von Rilke

Hintergrundmusik: Bach, Johann Sebastian (1685-1750) Präludium No.1 in C Midi von Andreas Delmenico
Bild: I. Schnekenburger

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