
Das
Auferstehungsbild von Grünewald
Bildbetrachtung:
Inga Schnekenburger
Dieses
Bild gilt als das strahlendste Auferstehungsbild in
der Kunstgeschichte. Eine starke Energie ist in einer
Art Sonne am dunklen Himmel dargestellt, das Haupt
Christi wirkt wie der Mittelpunkt dieser leuchtenden
Kugel. Das Leinentuch ist so gedreht wie eine Nabelschnur,
noch mit dem Grab, mit der Erde verbunden. Das Tuch,
unten noch real weiß, nimmt Farbe an und löst
sich in Unwirklichkeit auf. Erst Blau, dann Blauviolett,
Rotviolett, Braunrot, Rot, Gelb, Gelborange, Orange
und zum Schluss, auf der Höhe des Mals, am rechten
Arm von Christus und in der Mitte des Körpers,
Rotorange.
Die
Nägelmale in den Handflächen liegen mit
den Augen etwa auf einer Höhe, diese Male an
den Händen und an der rechten Brust leuchten
in einem hellen Goldton. Die Körperfarbe von
Christus ist weiß, fast so weiß wie das
Leinentuch in der Höhe der Grabplatte. Die Wächter
hingegen wirken plump und wie in Trance, gleichzeitig
aber wie von einem starken Sturm umgeweht. Der Kontrast
der gepanzerten und bewaffneten Wächter zu dem
nur in einem Tuch eingehüllten Christus ist deutlich.
Unten sehen wir die Waffen und Kriegsknechte, oben
den friedlichen Christus. Die Bewegung von Christus
geht nach oben, aufwärts, die Bewegung der Kriegsknechte
geht nach unten, abwärts. Am dunklen Himmel glitzern
viele sehr kleine Sterne, die aber nicht die Leuchtkraft
haben wie der strahlende Auferstandene. Mit diesem
Bild hat Grünewald uns ein bewundernswertes Meisterwerk
hinterlassen.
I.S.
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