Der Computergarten am 27. Oktober

 

Ritterspornblüte in der Nacht Bild von Inga Schnekenburger

Die letzte Ritterspornblüte in einer kalten Oktobernacht
Computergrafik für Sylvia Plath von © Inga Schnekenburger


Sylvia Plath

Portrait Silvia Plath von Inga Schnekenburger

Portrait Silvia Plath von © Inga Schnekenburger

amerikanische Schriftstellerin

geboren in Boston
am 27. Oktober 1932,
gestorben in London (Selbstmord)
am 11. Februar 1963

Sylvia Plath schrieb bekenntnishafte Lyrik mit vielschichtiger Symbolik. In ihren Tagebüchern geht es um Schuldgefühle, Hoffnung auf Erlösung, und um Selbstzerstörung. Das Verhältnis zu ihrem Vater und dem Bruder Warren war sehr problematisch. Sylvia Plath war mit dem Lyriker T. Hughes verheiratet. Leid, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung kennzeichnen ihr Werk.

Sie war Mutter und Schriftstellerin und verzweifelte an den Anforderungen, die diese Doppelrolle von einer Frau fordert. Ihre Schuldgefühle, ihre Todessehnsucht und ihre Depressionen führten zum Freitod von Sylvia PLath. Sie nahm sich am 11. Februar 1963 im Alter von 31 Jahren das Leben. Die Frauenbewegung erhob sie zu einer "Kultfrau".

Ihre Gedichte und ihr einziger Roman "Die Glasglocke", 1963, sind erschütternde Zeugnisse einer unglücklichen Frau. Erich Fried hat Texte von ihr übersetzt. (Diese Seite soll keine Konkurrenz zu einem Buch sein, sie soll vielmehr auf die Bücher dieser bedeutenden Schriftstellerin hinweisen. Weiter unten gibt es Buchempfehlungen.)

Masken sind heutzutage an der Tagesordnung, und das mindeste,
was ich tun kann, ist die Illusion zu pflegen, dass ich fröhlich, ausgeglichen und nicht ängstlich bin.

Zitat aus dem Tagebuch der achtzehnjährigen Sylvia Plath.

Das nachfolgende Gedicht "Ulme - Elm" zeigt eindrucksvoll die Genialität der Schriftstellerin.

Elm

I know the bottom, she says. I know it with my great tap root;
It is what you fear.
I do not fear it: I have been there.

Is it the sea you hear in me,
Its dissatisfactions?
Or the voice of nothing, that was you madness?

Love is a shadow.
How you lie and cry after it.
Listen: these are its hooves: it has gone off, like a horse.

All night I shall gallup thus, impetuously,
Till your head is a stone, your pillow a little turf,
Echoing, echoing.

Or shall I bring you the sound of poisons?
This is rain now, the big hush.
And this is the fruit of it: tin white, like arsenic.

I have suffered the atrocity of sunsets.
Scorched to the root
My red filaments burn and stand,a hand of wires.

Now I break up in pieces that fly about like clubs.
A wind of such violence
Will tolerate no bystanding: I must shriek.

The moon, also, is merciless: she would drag me
Cruelly, being barren.
Her radience scathes me. Or perhaps I have caught her.

I let her go. I let her go
Diminshed and flat, as after radical surgery.
How your bad dreams possess and endow me.

I am inhabited by a cry.
Nightly it flaps out
Looking, with its hooks, for something to love.

I am terrified by this dark thing
That sleeps in me;
All day I feel its soft, feathery turnings, its malignity.

Clouds pass and disperse.
Are those the faces of love, those pale irretrevables?
Is it for such I agitate my heart?

I am incapable of more knowledge.
What is this, this face
So murderous in its strangle of branches?

Its snaky acids kiss.
It petrifies the will. These are the isolate, slow faults
That kill, that kill, that kill.

Sylvia Plath

Ulme

Ich kenne den Grund, sagt sie. Ich kenne ihn durch meine große Pfahlwurzel.
Du fürchtest ihn.
Ich fürchte ihn nicht: weil ich dort war.

Hörst du das Meer in mir,
ruhelos?
Oder die Stimme aus Nichts, die dein Wahnsinn war?

Liebe, ein Schatten.
Wie du liegst und ihr nachweinst.
Hör nur: das sind die Hufe: sie ist fort, ein Pferd.

Ich werd die ganze Nacht so galoppieren, schneller, schneller,
bis dein Kopf ein Stein ist, dein Kissen ein Stück Torf,
tönend, tönend.

Oder soll ich dir den Klang der Gifte bieten?
Das jetzt ist Regen, die weite Ruhe.
Und das seine Frucht: zinnweiß wie Arsen.

Ich habe jede Qual des Sonnenuntergangs ertragen.
Verdorrt bis zur Wurzel
brennen meine roten Fasern; sie stehn: eine Handvoll Draht.

Ich breche in Stücke, die mich umfliegen wie Keulen.
Ein Wind von solcher Wucht
wird kein Herumstehn dulden: ich muss kreischen.

Auch Luna ist gnadenlos: die Unfruchtbare
will mich grausam schleifen.
Ihr Strahlen vernarbt mich. Vielleicht hab ich sie ergriffen.

Ich lass sie gehn. Ich lass sie gehn,
vermindert, flach, nach radikaler Chirurgie.
Wie deine bösen Träume mich beherrschen, kleiden.

Ich bin bewohnt von einem Schrei.
Nachts flattert er aus
und sucht mit Haken nach etwas zum Lieben.

Mich schreckt dieses dunkle Ding,
das in mir schläft;
tagsüber fühl ich sein weiches, gefiedertes Drehen, die Bösartigkeit.

Wolken ziehen, zerstieben.
Sind das die Gesichter der Liebe, so bleiche
Unwiederbringlichkeiten? Schlägt dafür mein Herz?

Ich fasse nicht mehr.
Was ist das, was für ein Antlitz,
so tödlich erstickend zwischen den Zweigen?

Dessen Schlangensäuren zischen
und den Willen lähmen. Es ist der abgetrennte, lahme Mangel,
der tötet, tötet, tötet.

Sylvia Plath

 

BUCHEMPFEHLUNGEN und Hörbücher

zur Glasglocke

Die Glasglocke. 7 CDs

HÖRBUCH von Sylvia Plath, Alissa Walser (Herausgeber), Nina Hoss (Erzähler)
CD - Dhv der Hörverlag 2002. Andere Ausgaben: Gebundene Ausgabe , Taschenbuch , Audio Cassette

Die Bibel der Träume. Erzählungen
Erzählungen. Originaltitel: Johnny Panic and the Bible of Dreams and other prose writings. PIPER VERLAG GMBH 2002. 243 Seiten. Erzählungen. von Sylvia Plath Sondereinband - 243 Seiten

In den Bergen / Das Wunschkästchen / Sonntag bei den Mintons
Cassette. Erzählungen. von Sylvia Plath, Hannelore. Hoger (Erzähler) Hörkassette - Solo Verlag Berlin

Ariel. von Sylvia Plath
Gebundene Ausgabe - 176 Seiten - Suhrkamp 1993 ISBN: 3518013807

Sylvia Plath. von Anne Stevenson
Gebundene Ausgabe - 656 Seiten - Frankfurter Verlagsanstalt 1999

Frauen - BUCHEMPFEHLUNG: Kultfrauen Sylvia Plath und andere...

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Empfehlenswerte Links - Surftipps

Werke

  • Das Gedicht "Daddy" von Silvia Plath. Eine Abrechnung mit dem "Vati".
    Ein Jahr vor ihrem Tod geschrieben. www.poets.org
  • Das Gedicht "Lady Lazarus" von Silvia Plath www.poets.org
  • Das Gedicht "Morning Song" von Silvia Plath www.poets.org
  • Sylvia Plath. Einige Gedichte aus "Crossing the Water"
    in deutscher Übersetzung von Johannes Beilharz www.jbeilharz.de

Biographie

  • Sylvia Plath (1932 - 1963). Biographien von Schriftstellerinnen. www.jiii.de

 

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