Der Computergarten am 10. Oktober

 

Herbstgruß an Alberto Giacometti Foto von Inga Schnekenburger vom 8. Oktober 2001

"Herbstgruß an Alberto Giacometti "
kahle Zweige und letzte Blätter an einem Ahornbaum im Oktober.
Wie lange, dünne, vereinsamte Arme greifen die fast kahlen Zweige ins Leere.

Digitalfoto für Alberto Giacometti von
Inga Schnekenburger, Copyright © 2001

 

1937 versucht Alberto Giacometti verstärkt, den Raum in seine Arbeiten zu integrieren. Der Raum, der nicht vorhanden ist, den man schaffen muss, wie er sagt. Er will das Innere des Menschen, die vitale Energie, die Anmut in seinen Skulpturen erfassen. Aber auch die Isoliertheit, die Einsamkeit, die Zerstörungen. 1947 beginnt Giacometti, langgezogene, sehr schmale Köpfe und Figuren zu gestalten. Sie unterscheiden sich von den Figuren der surrealistischen Phase der Dreissigerjahre. Die in den Himmel wachsenden, fragilen, stabähnlichen Figuren und Teile von Figuren werden fortan zum Erkennungsmerkmal seiner Arbeit.

Siehe: Alberto Giacometti: Die Waldlichtung, 1950, Bronze. Bündner Kunstmuseum Chur.


Alberto Giacometti

1901-1966, schweizerischer Bildhauer, Zeichner und Maler

Portrait Alberto Giacommetti von Inga Schnekenburger 2002

Portait Alberto Giacommetti
von Inga Schnekenburger 2002

Kunst wie Wissenschaft heißt: verstehen wollen. Erfolg oder Misserfolg sind vollkommen unwichtig. Versuche sind alles. Oh, wie wunderbar.

Zitat Alberto Giacometti

Alberto Giacometti wurde am 10. Oktober 1901 in Stampa geboren

Sein Vater war einer der führenden Nachimpressionisten der Schweiz, Giovanni Giacometti (geboren in Stampa am 7. März 1868, gestorben in Glion am 25. Juni 1933). Alberto Giacometti wuchs in einem entlegenen Tal auf, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Alberto Giacometti erinnert sich gern an seine KInderjahre: "Als Kind sah ich von der Außenwelt nur Dinge, die ich schön fand." So betrachtete er Felsen und Bäume und sah Freunde in ihnen.

Die Kunst und das bewusste Sehen war für ihn so selbstverständlich wie das Atmen. und wenn es die Pflicht der Nachbarskinder war, beim Schafe hüten zu helfen, so war es die Aufgabe der Giacometti-Kinder, dem Vater Modell zu stehen. Alberto wuchs mit einer Schwester und drei Brüdern auf. Die Kinder waren gern im Atelier des Vaters. dort gab es viel Licht und Sonne, die sonst nicht so in den übrigen Räumen vorhanden war.

Aber die KIndheit von Alberto Giacometti war auch geprägt durch Ängste. Alberto konnte nur schlafen, wenn das Licht brannte. Im Dunkeln hatte er Angst. Auch später hatte er die Angewohnheit, nachts zu arbeiten und erst am Tage, bei Licht, zu schlafen.

Früh zeigte sich das besondere Talent von Alberto und der Vater schickte ihn 1922 nach Paris, der Vater hatte ja selbst in München und Paris studiert. Alberto hatte die volle Unterstützung seiner gesamten Familie. In Paris besuchte Alberto Giacometto oft den Louvre, besonders an den Tagen, an denen der Eintritt frei war, er hatte wenig Geld. Aber er strebte auch nie danach, viel Geld zu haben. Im Louvre kopierte er viel Kunstwerke, vor allem aber ägyptische Malerei und Köpfe der Sumerer. Diese Köpfe faszinierten ihn ganz besonders, und der Kopf des Menschen war es, den er ein Leben lang darstellte. Zitate von ihm:

Nichts war so, wie ich es mir vorstellte. Zweimal pro Jahr begann ich einen Kopf, ohne ihn zu beenden.

Seit 1935 wollte ich nur Köpfe machen, aber ich bin immer wieder gescheitert.

Dann lernte er die Gruppe der Surrealisten kennen. Diese Künstler zogen ihn sehr an. Trotzdem spürte er, dass die Erfahrungen, die er machte, keine dauerhaften waren. Aber die surrealistische Athmosphäre beeinflusste ihn.

Ich begann, Köpfe im Leeren zu sehen, und alle Lebenden waren Tote.

Er erfuhr eine nicht messbare Wirklichkeit in einem unbekannten Raum, die ihm wieder Angst machte.

Alberto Giacometti arbeitete sehr viel. Und er konnte oft nicht aufhören, weil er nicht zufrieden war mit dem Ergebnis. Die Freunde nahmen ihm oft die Figuren einfach weg, damit er aufhörte, an ihnen weiterzuarbeiten und sie nicht am Ende noch zerstörte.

"Ich erreiche nie, was ich will, keine Sekunde Freiheit".

1947 hatte er seine erste große Ausstellung. Und wie sonst auch arbeitete er in der Nacht vor der Vernissage noch an den Figuren, die dann noch feucht im letzten Moment in die Ausstellung getragen wurden. Sein Bruder Diego lebte mit ihm und unterstützte ihn ebenso wie seine Frau Annette, geborene Arm. Die Malerei war aber ebenso wichtig für ihn wie die dreidimensionale Arbeit.

"Ich muss malen, sonst kann ich keine Skulpturen machen. Aber ich habe noch nicht erreicht, was ich will, weder in der Malerei noch als Bildhauer. Ich fange heute erst an."

Nicht nur der menschliche Kopf, auch Arme, Beine, Füße, Hände interessierten ihn (später auch: die Nase). Er hatte ein schreckliches Erlebnis am 14. Juni 1940. Es war auf der Flucht. Die Deutschen hatten Paris besetzt. Er sah überall Leichen und, was ihn besonders schockierte, einen einzelnen, abgerissenen Arm. Den Arm modellierte er später.

"Der Wagen" stellt einen Menschen auf Rädern dar

Die Räder sollten den Abstand der Figur vom Erdboden vergrößern. Die Beine, der Fuß vor allem, wurden wichtig für Alberto Giacometti, nachdem er einen Unfall gehabt hatte. ein Auto überfuhr in Paris einen Fuß von ihm, seitdem hinkte er.

Seine Frau Annette kaufte ein großes Atelier, aber Alberto blieb in seinem kleinen alten Atelier wohnen, die gutbürgerliche Athmosphäre widerstrebte ihm. Es kam zur Entfremdung mit seiner Frau. Alberto Giacometti äußerte oft Selbstmordgedanken. Er rauchte sehr viel und hatte häufig Bronchitis. Der ständige Husten schädigte offensichtlich sein Herz. Er litt auch an einem Magenleiden, das aber geheilt werden konnte. Alberto Giacometti erlebte seinen Verfall, seinen nahenden Tod bei vollem Bewusstsein.

(The Nelson-Atkins- Museum of Art Alberto Giacometti, Swiss, 1901-1966 The Chariot 1950 Painted bronze 56-1/4 x 24-1/4 x 27 inches (142.9 x 61.6 x 68.6 cm) The Patsy and Raymond Nasher Collection at The Nelson-Atkins Museum of Art, lent by the Hall Family Foundatio)

Alberto Giacometti starb im Spital in Chur in der Schweiz am 11. Januar 1966.

Seine letzten Worte waren: "Bis morgen."

Alberto Giacometti gehört neben Pablo Picasso und Francis Bacon zu den größten Künstlern unserer Zeit. Seine Skulpturen, Zeichnungen und Malereien prägten die Kunst des 20. Jahrhunderts.

"Für mich ist Giacometti nicht nur der größte Zeichner unserer Epoche,
sondern er gehört zu den größten aller Zeiten."

Zitat von Francis Bacon, 1975

 

Literatur / Bibliographie

  • Giacometti, Alberto Alberto Giacometti.
    Nov.1998, HATJE CANTZ VERLAG GMBH&C, OSTFILDERN-RUIT,
  • Picasso, Pablo / Klee, Paul / Giacometti, Alberto Picasso. Klee. Giacometti. Die Sammlung Steegmann. Okt.1998, HATJE CANTZ VERLAG GMBH&C, OSTFILDERN-RUIT
  • Lord, James Alberto Giacometti.
    Juni 2001, ULLSTEIN TASCHENBUCHVLG., BERLIN
  • Klemm, Christian Alberto Giacometti.
    Mai 2001, NICOLAISCHE VLGSBH., BERLIN
  • Matter, Herbert Alberto Giacometti. 1998, BENTELI VERLAGS AG, WABERN-BERN
  • Lord, James Alberto Giacometti.
    1998, QUADRIGA VERLAGSGESELLSCH, BERLIN
  • Giacometti, Alberto Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen. Apr.1994, PRESTEL VERLAG, MUENCHEN
  • Bonnefoy, Yves Alberto Giacometti.
    Dez.1992, BENTELI VERLAGS AG, WABERN-BERN
  • Klemm, Christian Alberto Giacometti.
    Okt.2001, ABRAMS HARRY
  • Gonzalez, Angel Alberto Giacometti.
    ab Mai 2002, RIZZOLI INTL PUBL & ST MARTINS
  • Elliott, Patrick Alberto Giacometti 1901-1966.
    Dez.1996
  • Clair, Jean Giacomettis Nase.
    Apr.1998, WAGENBACH VERLAG, BERLIN

BUCHTIPPS und SURFTIPPS auf Seite 2

 

10 Ausstellungsplakate, Poster, Aktbilder, Skulpturen
Kunstdrucke von Alberto Giacometti

Seite 2 : Alberto Giacomettis Arbeiten im www und weitere Links

 

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