Van Gogh und der Tod

Selbstbildnis mit verbundenem Ohr Vincent van Gogh 1889

Selbstbildnis mit verbundenem Ohr

Bild oben: Leinwand, 57 x 43,5 cm, Saint-Rémy, August 1889. Collection of Mrs. John Hay Whitney, New York. Oil paint on linen, 57 x 43,5 cm. Bild links: Leinwand, 51 x 45 cm, 1889. Sammlung Herr und Frau Leight. B. Block, Chicago

Vincent van Gogh: Selbstbildnisse mit verbundenem Ohr

Van Gogh hat die Selbstportraits vor einem Spiegel gearbeitet. Daraus lässt sich schließen, dass es sich um das linke Ohr handelt, das er verstümmelt hat. Bis zum 3.12.2000 hatte ich auf dieser Seite geschrieben, er hätte sich das rechte Ohr abgeschnitten (Quelle: Kindlers Malerei Lexikon in 15 Bänden, Band 5, Seite 114). Die Theorie, van Gogh könnte mit zwei Spiegeln gearbeitet haben, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich danke dem Webmaster der Website Shortnews Karl-Heinz Essenwanger aus Kaufbeuren (Charly/WildDigger) herzlich für die Frage: "Welches Ohr war es denn nun?" Auf diese Frage hin habe ich "Die Sache mit dem Ohr" neu recherchiert. Hier die Ergebnisse:

Zitate aus verschiedenen Büchern über das Abschneiden des Ohres:

  • "In einem Augenblick geistiger Überspannung schnitt Vincent sich sein rechte Ohr ab. Nervenkrisen, Halluzinationen und Anfälle von Verfolgungswahn wiederholten sich..."

Aus: Kindlers Malerei Lexikon in 15 Bänden, Band 5, Seite 114

  • "In Arles kam Gauguin zu ihm, jedoch gerieten die beiden Freunde ständig in Streit. Van Gogh litt unter den ersten Anfällen seiner psychischen Störungen und schnitt sich die Ohrmuschel ab..."

Aus: Weltgeschichte der Malerei in 27 Bänden, Editions Recontre, Lausanne, Band 18, Seite 168

  • "Anläßlich eines Besuches Gauguins im Dez. 1888 kommt es zum Zusammenbruch, van Gogh schneidet sich ein Ohr ab, wird in eine Anstalt nach St. Remy überführt, arbeitet aber trotz wiederholter Krisen fieberhaft weiter..."

Aus: Künstler Lexikon, 4400 Künstler,von Robert Darmstädter,Philpp Reclam Stuttgart

  • "Als van Gogh in einem Anfall geistiger Umnachtung Gauguin mit einem Rasiermesser zu ermorden suchte und sich dann zur Selbstbestrafung ein Ohr abschnitt, reiste Gauguin ab. Der Aufenthalt (von Gauguin) in Arles hatte nur die kurze Zeit vom 20. Oktober bis zum 25. Dezember 1888 gedauert."

Aus: Galerie der großen Maler Nr. 41: Gauguin, Bastei Verlag

  • "Gauguin trifft am 20. Oktober 1888 ein; es folgen für beide zwei Monate fruchtbarer Arbeit. Aber die Verschiedenartigkeit ihrer Temperament sowie die dauernden Streitigkeiten reiben die schwachen Nerven van Goghs völlig auf. In der Nacht des 23. Dezember versucht er zweimal, sich mit einem Rasiermesser auf den Freund zu stürzen. Dann richtet er das Messer gegen sich selbst, um sich zu bestrafen, und schneidet sich ein Ohr ab, das er gut verpackt einem Mädchen in einem Bordell bringt...."

Aus: Galerie der großen Maler, Nr. 5: van Gogh, Bastei Verlag

  • "1888 übersiedelte er nach Arles, wo seine Kunst erst ihre volle Reife erhielt. Das Zusammenleben mit Gauguin endete mit einer schweren Nervenkrise, während der sich van Gogh ein Ohr abschnitt"...

Aus: Keysers großes Künstlerlexikon seite 164, H.H. Diedrich, Keysersche Verlagsbuchhandlung

  • "Die Wintersonnenwende ist da! Drei Tage später, am 24. Dezember, wirft van Gogh Gauguin ein Glas ins Gesicht. Am folgenden Tag, Gauguin geht durch die Straßen der Stadt, hört er schnelle Schritte hinter sich; er dreht sich um und sieht Van Gogh mit seinem Rasiermesser in der Hand auf sich zukommen. Gauguins zwingender Blick läßt ihn innehalten; dann läuft Van Gogh davon. Er läuft nach Hause,; in seinem Zimmer angelangt, schneidet er sich mit dem Rasiermesser ein Ohr ab, wickelt es in ein Taschentuch und geht wieder fort, um es einem Bordellmädchen zu bringen..."

Aus: Van Gogh von Rene Huyghe, Südwest Verlag München, Seite 80

Abschließende Bemerkung zur Frage: Alle Quellenangaben sprechen von "einem" Ohr, bis auf die Angabe in Kindlers Malerei-Lexikon. Eindeutiger Beweis, dass es sich um das linke Ohr handelte, sind die Selbstportraits, die vor einem Spiegel entstanden sind.

Inga Schnekenburger, 4. Dezember 2000


Van Gogh und der Tod

Vom 23. Oktober bis zum 26. Dezember 1888 wohnt Gauguin bei Vincent van Gogh im "Gelben Haus". Es kommt zu Auseinandersetzungen. Vincent ist so verzweifelt, dass er sich in einem Anfall einen Teil eines Ohres abschneidet und es einer Prostituierten bringt.
Das Selbstbildnis zeigt ihn mit dem Verband über dem Ohr.

"Ich arbeite wie ein Besessener, ich habe eine verbissene Wut zu arbeiten mehr denn je. Und ich glaube, das trägt zu meiner Gesundung bei ".

Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo, Brief 604

Am 27. Juli 1890 richtet Vincent van Gogh einen Revolver gegen sich und verletzt sich tödlich. Am 29. Juli 1890 stirbt er in den Armen seines Bruders Theo, der sofort zu ihm kam. Vincent van Gogh hat uns bei seinem Tod mehr als 850 Gemälde und über 900 Zeichnungen hinterlassen.

Theo stirbt bald darauf, am 25. Januar 1891, nach einem Anfall von Geisteskrankheit. Dieses Symptom trat bei ihm das erste Mal 3 Monate nach Vincents Tod auf.

Die Brüder Vincent ( geb.1853 )
und Theo ( geb.1857 ) van Gogh sind in
Auvers - sur - Oise begraben.

Die Gräber von Vincent und Theo van Gogh

Das Grab von Vincent van Gogh, daneben das Grab von Theo van Gogh in Auvers-sur-Oise

Vincent van Gogh lehnte jeden Akademismus ab. Er schöpfte lebendig aus der Natur und seinen Gefühlen. Die Form und die Farbe waren ein Ausdruck seiner Persönlichkeit. Der menschliche Aspekt war ihm wichtiger als die Phänomene des Lichts, die den Impressionisten so wichtig waren. Van Gogh steht mit seiner Kunst einzig dar, so allein wie vorher in seinem Leben.

Man kann van Gogh nicht in eine Schublade pressen, er ist kein Impressionist, kein Expressionist, auch das Wort "Spätimpressionismus" erweckt einen unzutreffenden Eindruck. Van Gogh ist einfach van Gogh, ein Maler, der mit sich gerungen hat und uns unvergessliche Kunst hinterließ.

Der Einfluss seiner Kunst ist groß: Die Fauves und die Expressionisten profitierten von seinen wegweisenden Bilder der Individualität. Er hat Bonnard geprägt, Matisse und Dufy und Picasso inspiriert und beeinflusst. Und jeder, der einmal ein Original ansehen durfte, wird die Ausstrahlung nie vergessen. Mich persönlich hat das Original-Bild "Getreidefeld mit den Raben" von 1890, eines seiner letzten oder sogar sein letztes Bild, am stärksten beeindruckt. Die Plastizität des Pinselduktus kommt in keiner Reproduktion zum Tragen, aber im Original ist diese plastische Qualität ein Faktor, der die Wirkung der Malerei van Goghs mit erklärt.

Besuchen Sie Amsterdam!
Besuchen Sie das Stedelijk - Museum mit den Bildern von van Gogh!

Inga Schnekenburger

Seite 1
Das Haus des Bahnwärters 1881 Kopfweiden
Seite 2
Die Jugend der Garten des Pfarrhauses 1884
Seite 3
Souvenir de Mauve
Mandelbaum 1888
Seite 4
Olivenbäume und Selbstportrait 1889
Seite 5
Cypressen und Selbstportrait 1889
Seite 6
Selbstbildnisse und Grab
Seite 7
Literatur und Bäume im Anstaltsgarten
Seite 8
Links
und Pinien vor untergehender Sonne 1889

Poster mit Bildern von Bäumen von van Gogh

bei allposters.com

Linktipp: Wallpaper, Van-Gogh-Rosen

Auch dieser große Künstler hat am 30. März Geburtstag: GOYA

Goya y Lucientes, Francisco de geboren am 30. März 1746 in Fuendetodos bei Zaragoza, gestorben am 16. April 1828 in Bordeaux.

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http://www.onlinekunst.de/maerz/30_03_6_Van_Gogh.htm