"Verbrannte
Erde" ist ein Ausdruck der neueren Kriegsführung.
Er besagt, daß der Verteidiger seines Landes
seine Erde so stark zerstört, daß dem Angreifer
nur noch wertloses Gelände in die Hände
fallen kann. Anselm
Kiefer hat ein Bild gemalt, in dem eine verwüstete
Landschaft angedeutet ist.
Gestrüpp
hängt bis auf den Boden, die Horizontlinie ist
so niedrig angesetzt, daß der Betrachter meint,
er liege auf dem Boden und sieht die zerstörte
Landschaft auf Erde liegend vor sich.Im Hintergrund
ist ein Wald schemenhaft erkennbar, der von Rauch
umnebelt wird. Das Zentrum des Bildes, im "Goldenen
Schnitt" auf dem unteren Drittel des Bildes rechts
angebracht, bildet ein tiefschwarzes Erdloch. Oben
links bogenförmig der Schriftzug: "Malerei
der verbrannten Erde".
Dieses
Bild erzählt von Verwüstung während
eines Krieges durch Feuer, selbst gelegt, von einer
verzweifelten Tat. Alles ist verbrannt und zerstört
- kein Leben regt sich, weder pflanzliches noch menschliches
Leben, kein Tier ist zu sehen. Dieses Bild erscheint
mir wie das Gegenstück zum Paradies oder wie
das verlorene Paradies. Das Bild atmet Schrecken und
ist ohne Hoffnung.
Das Grau
ist grauenvoll. Wie der Krieg, wie jeder Krieg. Die
Äste sind vom Baum getrennt und krümmen
sich wie in Schmerzen. Der Qualm steigt nicht zum
Himmel sondern kriecht auf dem Boden, zu dem schwarzen
Loch. Das schwarze Loch im unteren rechten Drittel
des Bildes ist wie ein Moloch, der das Leben
verschlingt, Unterwelt, Spuk. Die
verbrannte Erde ist wie mit verkohltem Holz gezeichnet
, die Farbe ist schon geflüchtet, bleibt ein
Traum in dem Alptraum.
I.S.