zur Startseite von onlinekunst.de
 

Der übermenschliche, aber auch die Menschheit gewaltsam
überbietende Moses von Michelangelo. Johann Wolfgang von Goethe

Vasari berichtet, dass zu seiner Zeit die römischen Juden
jeden Samstag den Moses verehrt, ja angebetet hätten.

Ein weiser, müder und sorgenvoller Denker, dessen Antlitz
Liebe und Furcht zugleich einflößt. Condivi

Der Moses von Michelangelo

Julius II, der neuerwählte Papst

berief den Meister nach Rom, mit dem Auftrag, ihm sein Grabmal zu errichten. So gab sich Michelangelo guten Mutes ans Werk und um einen Anfang zu machen, ging er mit zwei Gehilfen nach Carrara, um den nötigen Marmor brechen zu lassen [...].

Nachdem er nun die gehörige Zahl Marmorblöcke ausgesucht und eingeschifft hatte, und sie nach Rom gebracht waren, nahmen sie fast die Hälfte des Petersplatzes um Santa Catarina herum und den Raum zwischen der Kirche und dem nach dem Kastell führenden Korridor ein, wo Michelangelo das Atelier hatte, in welchem er die Statuen, so wie alles, was sonst noch zum Grabmal gehörte, arbeitete.

Zu dieser Werkstatt hatte der Papst vom Korridor aus eine Zugbrücke schlagen lassen, damit er bequem kommen und der Arbeit zusehen könne; woher eine Vertraulichkeit entstand, so groß, daß sie nochmals Michelangelo viele Not und Mißgunst zuzog [...]. Dann vollendete er auch die 5 Ellen hohe Statue des Moses, dessen Schönheit durch kein neueres Werk erreicht werden kann und dem kein antikes gleich ist.

Giorgio Vasari, 1550

Michelangelo: Moses (1513-1516)

Abbildung oben: Michelangelo: Moses (1513-1516)

Michelangelo: Moses vom Grabmal Papst Julius II

Der Moses

ist bis auf geringfügige Stellen vollendet und auf Hochglanz poliert. Nicht vor 1513 begonnen, weil die Berliner Zeichnung noch eine andere Fassung der Statue zeigt. Die Figur sollte im dritten Projekt oberhalb des Hauptgesimses über einem der NIschentabernakel stehen. Gewisse Gestaltungsmerkmale erklären sich aus diesem geplanten Standort. Michelangelo hatte die Figur nach Ausweis eines Stiches im Jahre 1542 wesentlich tiefer aufgestellt. Die Hörner gehen auf eine aus dem Hebräischen falsch übertragene Stelle der lateinischen Bibel zurück. Eigentlich sind im Text Lichtstrahlen gemeint.

BUCHTIPP

Der Moses des Michelangelo von Sigmund Freud
Broschiert - 216 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: November 1993 ISBN: 3596104564
Der Moses des Michelangelo

Abbildung links: Moses vom Grabmal Papst Julius II., 255 cm hoch, Rom, S. Pietro in Vincoli. Abbildung unten: Moses, Detail: Die Hände und der Bart des Moses von Michelangelo mit Gesetzestafeln

Michelangelo und seine Statuen

Du öffnest, Sklave, deinen Mund,
Doch stöhnst du nicht. Die Lippe schweigt.
Nicht drückt, Gedankenvoller, dich
Die Bürde der behelmten Stirn.
Du packst mit nervger Hand den Bart,
Doch springst du, Moses, nicht empor.
Maria mit dem toten Sohn,
Du weinst, doch rinnt die Träne nicht.
Ihr stellt des Leids Gebärde dar,
Ihr meine Kinder, ohne Leid!
So sieht der freigewordne Geist
Des Lebens überwundne Qual.
Was martert die lebendge Brust,
Beseligt und ergötzt im Stein.
Den Augenblick verewigt ihr,
Und sterbt ihr, sterbt ihr ohne Tod.
Im Schilfe wartet Charon mein,
Der pfeifend sich die Zeit vertreibt.

Conrad Ferdinand Meyer

Moses vom Grabmal Papst Julius II

weiter auf der Michelangelo-Seite >>

 

Weiter im Computergarten >>

   

Michelangelo - Eine Seite von onlinekunst.de - Kunst und Kultur im Internet

onlinekunst.de: Computergarten - Galerie - Linktipps - Auszeichnungen - Impressum

 

http://www.onlinekunst.de/maerz/06_03_5_Michelangelo.htm