Die vollkommenste Statue eines
nackten Menschen,
rein technisch wie plastisch betrachtet,
als lebend in Marmor... Karl Justil
Michelangelo
nun maß den Block von Neuem und prüfte, ob
er eine Figur aus ihm würde schlagen können
[...]. Er formte ein Modell von Wachs, im welchem er
einen jungen David mit der Schleuder in der Hand als
Wahrzeichen des Palastes darstellte. Dies sollte andeuten:
dass wie jener Held sein Volk verteidigt und gerecht
beherrscht hatte, auch die, so über die Städte
gebieten, in ihrer Verteidigung Mut und in ihrer Regierung
Gerechtigkeit zeigen möchten.
Er begann die Statue im
Dombauhof von Santa Maria del Fiore, machte sich gegen
die Mauer einen Verschlag von Brettern rings um den
Marmor, bearbeitete diesen ohne Unterlaß und führte
sein Werk vollständig zu Ende, ohne daß irgend
jemand es sah.
Der Marmor war, wie ich
schon sagte, durch Simone verhauen und verdorben und
genügte deshalb an einigen Stellen den Absichten
Michelangelos nicht; darum richtete er es ein, daß
an den äußeren Enden des Steines einige von
Simones ersten Meißelstrichen blieben ; und gewiß
ein Wunder war es von Michelangelo einen, der bereits
zu den Toten gezählt wurde, zum Leben aufzuerwecken
[...]
Giorgio Vasari, 1550
Michelangelo: David
(1501-1504)
Der David des Michelangelo
ist aus Marmor und 4 m und
34 cm (!) hoch. Michelangelo schloß den Vertrag zu diesem
Werk, das aus einem einzigen Block gehauen ist, am 16. August
1501. Am 25. Januar 1504 wurde beschlossen, es neben dem Eingang
des Palazzo Vecchio aufzustellen, die Judith des Donatello
wurde entfernt. Michelangelo war 30 Jahre alt, als er das
Werk schuf. Es bedarf einer ungeheuren geistigen und physischen
Kraft, so ein monumentales Werk aus einem Block zu konzipieren
und zu realisieren.
Links: Der Kopf des David
im Profil. Abbildung rechts: Der Kopf des David von vorn.
Abbildung unten: die rechte Hand des David von Michelangelo
Auch
die Hand des jugendlichen David ist eine zerstörende
Hand. Man sieht es ihr freilich nicht an, wie sie da
noch fast lässig herabhängt. Aber sie ist
zum Angriff bereit. Und der Blick des jungen Mannes
im Vollbesitz seiner Kräfte ist scharf und unbeirrbar
aufs Ziel gerichtet.
Es bedarf nur der Feststellung
des günstigsten Augenblicks, und die Hand wird
sich blitzschnell erheben und mit Treffsicherheit und
ungeheurer Gewalt, die sich hier in der Ruhestellung
gleichsam aufspeichert, die tödliche Waffe schleudern.
"Hände als Symbol
und Gestalt" ,
Hanna und Ilse Jursch, Evangelische Verlagsanstalt Berlin,
1959
Buchtipp
Michelangelos David
Als
die "schönste Statue der Welt, der schönste Mann der
Welt" gilt der David des Michelangelo. Biblischer Held,
Bezwinger des übermächtig scheinenden Goliath und - im Florenz
des beginnenden 16. Jahrhunderts - Ausdruck und Symbol der
stolzen Republik, die durch ihn ihre Entschlossenheit kundtat,
jedem ihrer Feinde und jeder Bedrohung zu trotzen. Michelangelo
hat seinen David in einem Moment eingefangen, als das eigentliche
Aufeinandertreffen mit dem Gegner unmittelbar bevorstand;
in einem Augenblick der größten physischen und psychischen
Anspannung, der intensiven Konzentration aller Sinne und Kräfte.
Diese meisterhafte Skulptur aus der Zeit der italienischen
Renaissance in ihrer Gesamtschau wie auch in allen Details
und Nuancen eines idealen Körpers mit der Kamera nachzuzeichnen,
ist dem Fotografen Aurelio Amendola auf eindrucksvolle und
in überaus ansprechender Weise gelungen. Während er den Blick
schwelgerisch am Körper entlang streifen, ihn gleichsam berühren
lässt, zaubert Amendola eine Sinnlichkeit herbei, die vergessen
macht, daß David nur aus Marmor ist.
Ein wunderbares Geschenk an
alle Freunde der wahrhaft "schönen" Künste: Michelangelos
David von Aurelio Amendola, Antonio Paolucci. Gebundene Ausgabe
- 95 Seiten - Dumont Literatur und Kunst Verlag ISBN: 3832171894.
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