| Katzengedicht
DIE KATZEN
Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn
sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße
breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.
Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas
irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.
Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen
Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte
weinen.
Maria Luise Weissmann (1899-1929) |