| Betrachtung
der Zeit
Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius |
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Abbildung oben rechts: Portrait Andreas
Gryphius. Andreas Gryphius (2. Oktober
1616 - 16. Juli 1664) war Dichter des
deutschen Barock; Verfasser von Dramen,
Trauer- und Lustspielen. Andreas Gryphius
war ein großer Lyriker. Geprägt von tiefem
Pessimismus. In den geistlichen Liedern
findet sich ein Niederschlag seiner leidgeprüften
Zeit. |
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit
auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen
ein;
Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese
sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit
den Herden;
Was jtzund prächtig blüht, soll bald
zertreten werden;
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch
und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern
die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum
vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch,
bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich
achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub
und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't!
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch
betrachten.
Andreas Gryphius |