jutta kulcke  

Bild des Monats Mai: "Frau aus Gusew"

Das Bild des Monats Mai 2001
The Watercolor of the Month May 2001
L'Aquarelle du Mois Mai 2001

Jutta Kulcke, 28 cm x 38 cm, 09/2000
"Frau aus Gusew", Aquarell
"Women of Gusew", watercolor
"Femme de Gusew", aquarelle

© Jutta Kulcke, Galerie Hornbrunnen, Schleswig. Text: Prof. Richard Kulcke

Beachten Sie auch das Portrait "Reinhard guckt über die Elbe" und das Landschafts- Aquarell "Kurische Nehrung 2001"

Zum Bild des Monats Juni

Bild des Monats Mai: "Frau aus Gusew"

Gusew ist eine kleine Stadt mit ca. 30 000 Einwohnern, liegt im Kaliningrader Gebiet und gehört seit mehr als 50 Jahren zu Russland. Früher hieß die Stadt Gumbinnen, lag im Land Ostpreußen und gehörte zu Deutschland. Früher lebten dort Deutsche. Heute leben dort Russen. Die Frau aus Gusew ist eine Russin. Von ihrem Alter her könnte sie in Gusew geboren sein. Aber das ist unwahrscheinlich. Woher sie aus Russland stammt, weiss ich nicht. Wir haben sie in der Aula des landwirtschaftlichen Technikums im Mai 2000 getroffen. Bei einer Ausstellungseröffnung. Ausgestellt wurden insbesondere die Zeichnungen der Bauaufnahmen und Fotos des Gebäudes des Technikums. Dieses Gebäude hieß früher Friedrichsschule und war ein Gymnasium. Das Gebäude wird im Jahr 2003 100 Jahre alt.

Wir setzen uns dafür ein, dass das Gebäude, das unter russischem Denkmalschutz steht, erhalten bleibt. Der Frau aus Gusew gefällt das.
Sie freut sich darüber und möchte mehr über die alten Geschichten von Gusew / Gumbinnen erfahren.

Kandinsky, ein Russe, 1920 Professor an der Moskauer Universität, Vizepräsident der revolutionären Akademie für künstlerische Wissenschaften, der 1921 Russland verließ, da ihm dort eine freie künstlerische Tätigkeit nicht mehr möglich war, macht uns in seinem Buch "Punkt und Linie zu Fläche" klar, dass gemalte Bilder u. a. Kompositionen aus Punkten, Linien und Flächen sind.

Betrachten wir das Porträt aus dieser Sicht:
- Flächen: Hintergrund, Hut, Hals, Wange, Bluse usw.
- Linien: Flächenbegrenzungen, Hutband, Gesichtsfalten
- Punkte: Schnittpunkte von Flächen und Linien, Augen.

Warum soll man ein "gegenständliches" Bild nicht abstrakt betrachten?
Für mich ist das sehr spannend. Was ist an welcher Stelle los? usw. Giorgio Morandi sagt dazu: "Nulla è più astratto del mondo visible" - "Nichts ist abstrakter als die sichtbare, gesehene Welt". Im Mai werden wir mit Feunden in Gusew sein. Vielleicht können wir dann mit der Frau aus Gusew über all dieses reden?

RK

Quellen:

  • Kandinsky, Punkt und Linie zu Fläche, Band 9 der Bauhaus Bücher, ca. 200 S., 1926, Verlag Albert Langen München
  • Heinz Spielmann (Hrsg.), Giorgio Morandi - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, 1998, Schleswig, Schleswig - Holsteinisches Landesmuseum Schloß Gottorf
 
 
 
aquarelle