Der Computergarten am 28. Juni
Happy Birthday Inga
Heute hat Inga Schnekenburger, die Initiatorin des Computergartens Geburtstag!

Petunien - Thron für eine Elfe

Petunien-Trohn für eine Elfe
Computercollage von Inga Schnekenburger

Dieses Motiv können Sie als digitale Postkarte kostenlos versenden.
Mehr darüber


DER MITTAG

Das Auge blendend, heben
Sich in des Himmels Mitte
Prunkvolle Silberstufen
Aus leichtgewebten Wolken.
Es raget auf der Stufen
Erhabensten ein blanker
Topasner Thron, auf dem du
In Diamantenglanze
Am Mittag ruhst, o Sonne!

Nach allen Seiten strömen
Von deinem hehren Sitze
Zur Erde goldne Quellen
Herab, ein Strahlenregen,
Und dringen in des Erdreichs
Fruchtbaren Schooß, jedweden
Gewächses Keim entwickelnd.
Es ruhen Hirt und Heerde
Indeß im kühlen Schatten
Am Rand des dunklen Waldes,
Und freuen sich des Baches,
Der ihren Durst mit klarer,
Reichhalt'ger Welle löschet.
Sieh, an derselben Stelle,
Wo gestern nichts als Grün war,
Bedecken heut die Wiese
Neuaufgesproßne Blumen!

Elisabeth Kulmann

 

DER SOMMER

O anmuthsvolle Tage,
Wo, Sonne, du im Norden
Uns auf- und untergehest,
Und wo die Abendröthe,
Den einen Fuß im Meere,
Mit zarter Hand und leisem
Geräusch die Morgenröthe,
Die Schläferin, erwecket,
Dann ihren Kranz von Rosen,
Den, um ihn aufzufrischen,
Sie durch die Wellen ziehet,
Um's Haar der Schwester schlinget!

Von diesen Höhen seh' ich
Vier Seee vor mir liegen:
Den Blumensee der Wiesen,
Den goldnen See der Saaten,
Den grünen See der Wälder,
Den blauen See der Wellen,
Der Wiesen, Saaten, Wälder
Und den hier reinlasurnen,
Dort leichtbeflorten Himmel
In seinem Schooße spiegelt.

Fast unsichtbare Netze,
Noch feiner als der Spinne,
Und wie vom reinsten Golde
Gewebt aus Sonnenstrahlen,
Verbreiten, immerrege,
Sich ob der warmen Gegend.
O Gottes weite Schöpfung,
Wie schön bist du und herrlich!
O Harmonie der Vögel,
Die aus dem Walde schallet!
O segensvoller Reichthum
Der Heerden, die die Auen
Und Sümpfe froh durchirren!
O liebliches Gewimmel
Der nimmermüden Fischer,
Die ihren blauen Acker
Zu keiner Zeit besäen,
Und unaufhörlich ernten!

Der Pflüger aber ruhet
Hier in der Sonne Strahlen,
Dort in der Bäume Schatten,
Und sieht der nahen Ernte
Mit frohem Blick entgegen.
Es eilt die niedre Sonne
Zu ihrer Ruh. Viel lauter
Erschallet aus dem Walde
Das Abschiedslied der Vögel,
Viel lauter tönt das Brüllen
Der Herden, die gesättigt
Zu ihrer Hürde kehren.
Der Fischer singt, begleitet
Von selbstgemachter Flöte,
Ein muntres Lied, und kehret
Zu seiner nahen Hütte
Im beutevollen Kahne;
Der Pflüger aber betet
Mit abgezognem Hute
Um Segen für die Saaten
Und Haus und Weib und Kinder


Die Sonne ruht im Meere,
Und ob der Stelle, wo sie
In vollem Glanz gesunken,
Schwebt eine ungeheure,
Hellglänzend goldne Krone,
Der ein anmuth'ger Halbkreis
Von rosenrothen Strahlen
Entströmet, die, gleich einem
Prunkvollen Baldachine,
Die grünbesäumte Wölbung
Des Abendhimmels decken,
Dem Landmann ein willkommnes,
Bewährtes Zeichen lange
Noch daur'nden schönen Wetters.

Gedicht von Elisabeth Kulmann

 

Elisabeth Kulmann
geboren am 17. Juli 1808 in St. Petersburg
gestorben am 1. Dezember in 1825 St. Petersburg

 


BUCHTIPP
Frauen dichten anders
von Marcel Reich-Ranicki, Marcel Reich- Ranicki
Broschiert - 859 Seiten - Insel, Frankfurt
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3458171177
Frauen dichten anders

Kurzbeschreibung
181 Gedichte aus der Feder von 54 Autorinnen werden hier vorgestellt und kommentiert, gedeutet und interpretiert. Die vorliegende Sammlung ist vor allem »ein Plädoyer für die Poesie von Frauen – und nicht obwohl, sondern weil sie anders dichten« (Marcel Reich-Ranicki).


 

weitere Gedichte von Elisabet Kulmann bei onlinekunst.de:

 

  • Eichhörnchen - Gedicht von Elisabeth Kulmann
  • Bild: Thomas Gainsborough "Dorfmädchen mit Hund"
    Gedicht Hund An ein Hündlein von Elisabeth Kulmann
    ... Des Nachts, im Herbst und Winter, Legst du dich nah am Herd In dein bequemes
    Körbchen, Und schlummerst ungestört.
  • Auch im Gästebuch von onlinekunst.de sind Gedichte von Elisabeth Kulmann eingetragen:
    Gedicht AN EINE WOLKE von Elisabeth Kulmann im Gästebuch Nr. 96
    Reich mir die Hand, o Wolke,
    Heb' mich zu dir empor! Dort stehen meine Brüder Am offnen Himmelsthor. ...
  • onlinekunst.de Gästebuch Nr. 101 vom 11. April 2002
    Die Schwalbe
    ... Deshalben flieg' so ängstlich Ich hier den Weg entlang!
    Gedicht von Elisabeth Kulmann
  • onlinekunst.de Gästebuch Nr. 118 vom 12. Juni 2002 bis zum 18. ...
    ... DER SONNENUNTERGANG von Elisabeth Kulmann (1808-1825) Der Sonnenwagen nahet Dem
    letzten Himmelsabhang, An dessen Fuße plätschernd Die Meereswellen tanzen. ...
  • onlinekunst.de Gästebuch zum Muttertag (Nr.170) vom 9. Mai 2003 ...
    ... DAS VERGISSMEINNICHT Elisabeth Kulmann In feuchter Erde Schooße, Im tiefsten
    öden Thal, Sprieß\' ich bei Westes Wehen Und mildem Sonnenstrahl. ...
  • onlinekunst.de Gästebuch 190
    ... Elisabeth Kulmann. ... .. Auszug aus dem Gedicht
    DER HERBST
    von Elisabeth Kulmann

 

FARBE UND FARBEN
Eine Themenseite von onlinekunst.de

 

Herzliche Grüße an Sabine B., von ihr erhielten wir viele Gedichte von Elisabeth Kulmann! Webseite von Sabine: www.wortgetreu.de

 

 

http://www.onlinekunst.de/junizwei/028.htm