Das
Märchen vom Gänseblümchen
von Hans - Christian Andersen - 3
Es dauerte bestimmt eine ganze halbe Stunde,
bevor das Blümchen wieder zu sich kam.
Halb verschämt und doch innerlich beglückt
sah es zu den anderen Blumen im Garten hinüber.
Sie hatten gesehen, welche Ehre und Glückseligkeit
ihm widerfahren war, sie mußten ja
begreifen, welche Freude das war.
Aber
die Tulpen standen noch einmal so steif
wie vorher und waren ganz spitz im Gesicht
und sehr rot, denn sie hatten sich geärgert.
Die Bauernrosen waren ganz dickköpfig,
buh, es war doch gut, daß sie nicht
sprechen konnten, sonst hätte das Gänseblümchen
eine ordentliche Predigt bekommen. Die arme,
kleine Blume konnte wohl sehen, daß
sie nicht guter Laune waren, und das tat
ihr von Herzen leid.
Im selben Augenblick kam ein Mädchen
mit einem großen, glänzend scharfen
Messer in den Garten. Sie ging gerade auf
die Tulpen zu und schnitt eine nach der
anderen ab. "Ach!" seufzte das kleine Gänseblümchen,
"das ist doch schrecklich! nun ist es vorbei
mit ihnen!" Dann ging das Mädchen mit
den Tulpen fort.
Fortsetzung
am 4. Juni >>