Hilde Domin, Lyrikerin
Literatur - Bücher von und über Hilde Domin

Altersportrait: Hilde Domin - Bildnachweis: aus einer Pressemitteilung des Fischer Verlags.

Altersportrait: Hilde Domin
Bildnachweis: aus einer Pressemitteilung des S. Fischer Verlags - Foto: Walter Breitinger

Zur Kurzbiographie

Hauptwerke

  • Nur eine Rose als Stütze (1959)
  • Rückkehr der Schiffe (1962)
  • Hier (1964)
  • Höhlenbilder (1968)
  • Von der Natur nicht vorgesehen. Autobiografisches (1974)

Buchtipps
aus einer Pressemitteilung des S. Fischer Verlags

zum Buch

Der Baum blüht trotzdem. von Hilde Domin

Diese von Hilde Domin selbst ausgewählten und geordneten Gedichte, die Bekanntes und Neues miteinander verbinden, bestätigen aufs schönste, was Marcel Reich-Ranicki bereits den früheren attestiert hat: Wenn sie »etwas aktivieren sollen, dann im Leser den Menschen«. Und er begründet dies mit der Feststellung: »Hilde Domin glaubt an die Erlösung durch das Wort, durch die Sprache.«

"Hilde Domins Gedichte haben immer Gewicht,
das Gewicht gelebten Lebens." Ulla Hahn

 

Genesis

Das Wort
der Blick
ändern
erschaffen die Wirklichkeit
den Traum der Wirklichkeit
den Angsttraum der Wirklichkeit
die Wirklichkeit

ihren Kern

 

Gesammelte Gedichte von Hilde Domin

Demut

Demut ist wie ein Brunnen.
Man fällt und fällt
in den bodenlosen Schacht
und aller Trost wird
stetig teurer.

Die »Gesammelten Gedichte» geben einen Überblick über das Werk, von seinen Anfängen in Santo Domingo, im Herbst 1951, bis 1985. Ihr Thema: Heimat, Liebe, Tod - die Grenzsituationen des Menschen im 20. Jahrhundert und der widerständige Mut zur Erneuerung des Verlorenen. Der Band bringt eine Auswahl der frühen Gedichte, von denen vorher wenige in »Nur eine Rose als Stütze« (1959) aufgenommen waren.

Es werden etwa 100 bisher unveröffentlichte oder schwer zugängliche Texte vorgelegt und in die neugeordneten Sammlungen eingefügt. Dazu kommen Übertragungen aus dem Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen.

»Hilde Domin hat ihre Gedichte gegen die Einsamkeit und Kälte geschrieben, die sich, nicht nur ihr fühlbar, überall breit machen. Sie sind dem Leben und den Menschen zugewandt. Mehr zu sehen und zu erkennen von uns und der Wirklichkeit, als wir bisher gesehen und erkannt haben, dazu ist Lyrik stets, dazu sind auch die Gedichte Hilde Domins da.« Ulla Hahn

 

Hier. Gedichte. von Hilde Domin

»Meine Gedichte sehen mit aufgerissenen Augen, wie abgefressen alle Wiesen sind, wie leer die Äste. Wie es überall hohl ist. Und vor Schrecken fliegen sie dann so weit und so hoch, dass sie irgendwo doch noch ein - schon ganz durchsichtiges - Blau oder Grün erwischen. Wie wir es doch alle immer wieder tun, sonst lebten wir nicht«, schreibt Hilde Domin, die ihren ersten, nach ihrer Rückkehr in Deutschland entstandenen Band programmatisch »Hier« nannte.

 

Nicht müde werden

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

»Ich denke, dass unsere Urenkel in Hilde Domins Werken die Botschaft einer wunderbar schöpferischen
und abscheulich zerstörerischen Epoche finden werden.« Manès Sperber
 

Gesammelte Essays. Heimat in der Sprache. von Hilde Domin

»Vermehrt den Haß nicht. Vermehrt die Angst nicht. Geht auf Distanz zu Euch selbst, zu Eurer Angst [...] Das Wunder, das konkrete, kleine Wunder, wartet immer um die nächste Ecke für den, der es wahrnehmen mag.« Hilde Domin

Deutschland von außen und von innen, das ist das eigentliche Thema dieser Essays, die ihrerseits den Atem des Autobiographischen haben: des Menschen, dem die Heimat genommen, dem die Heimat wiedergegeben wurde und der weiß, wie widerrufbar das scheinbar Selbstverständliche ist.

»Ich glaube, das Wichtige ist, dass wir nicht nur die Erinnerung an das Erlittene weitergeben, sondern auch die Erinnerung an die empfangene Hilfe. Und dass wir die jungen Menschen dazu ermutigen, nie wegzusehen, sondern immer hinzusehen, wenn Unrecht geschieht, und die Welt zum Menschlicheren hin zu verändern: nicht durch Ideologien, sondern indem der einzelne, wo Hilfe nötig ist, das Schicksal eines einzelnen zum Besseren wendet. Es gibt für mich keine Sippenhaft und keine Sippenprivilegien. Jede Generation muss das Ihre dazu beitragen, dass wir eine große Erinnerungs- und Hilfsgemeinschaft bilden, frei von Menschenverachtung. Nur dann wird das erlittene Leid dieses Jahrhunderts im Namen aller Toten fruchtbar für die Menschen sein.« Hilde Domin

Nur eine Rose als Stütze

Als Hilde Domin 1959 diesen, ihren ersten Gedichtband veröffentlichte, schrieb Walter Jens: »Der Höhepunkt des Apokryphen ist überwunden, man schreibt wieder Gedichte, die klar und präzise, einfach und vollkommen sind [...] Man nimmt zur Kenntnis, man konstatiert und beschwört, man stammelt nicht mehr und man schreit nicht.« Und so ist Hilde Domins Lyrik: beispielhaft in Rhythmus und Struktur. Äußerer wie innerer Erlebniswelt entlehnt sie ihre Themen und verschlüsselt sie leicht in klangstarken Metaphern; sie erkennt und benennt die brennenden Fragen der Zeit. Sie macht ihre Leser zu Partnern.

»Vollkommenheit im Einfachen.« Walter Jens

 

Im Regen geschrieben

Wer wie die Biene wäre,
die die Sonne
auch durch den Wolkenhimmel fühlt,
die den Weg zur Blüte findet
und nie die Richtung verliert,
dem lägen die Felder in ewigem Glanz,
wie kurz er auch lebte,
er würde selten weinen.

 
 

Gesammelte autobiographische Schriften. Fast ein Lebenslauf. von Hilde Domin

Nach 22 Jahren im Exil, zunächst in Italien, dann in England, schließlich in der Dominikanischen Republik, »stand ich auf und ging heim in das Wort, von wo ich unvertreibbar bin. Das Wort aber war das deutsche Wort. Deswegen fuhr ich wieder zurück über das Meer, dahin wo das Wort lebt.«

»[...] klug, präzis, allen Situationen gewachsen ist diese Prosa. Hier wird ›en miniature‹ eine der verrücktesten und abenteuerlichsten Emigrationen und - das ist eben das Erstaunliche an Hilde Domin, ihrem Buch und ihrer Existenz - auch die Heimkehr beschrieben.« Heinrich Böll, DIE ZEIT

 

Wozu Lyrik heute. Dichtung und Leser in der gesteuerten Gesellschaft. von Hilde Domin

Der Versuch, das Handwerkszeug der Literaturwissenschaften zu erneuern, war in der Moderne von jeher Sache der Lyriker selbst, von Mallarmé bis hin zu Benn und Brecht. In diese Reihe hat die Kritik das Buch von Hilde Domin gestellt, das seit seinem Erscheinen, 1968, nichts von seiner Brauchbarkeit eingebüßt hat. Arbeitsprinzip war, die Materie, soweit nur möglich, zu entgeheimnissen. Im dauerndem Positionswechsel wird die Problematik ausgeleuchtet: Was an der zeitgenössischen Dichtung ›zeitgenössisch‹ ist, wie - und wieweit - sie ›gemacht‹ wird und welche Funktion sie in der Wirklichkeit unserer Zeit hat. »Gewichtige Argumente, mit denen man all jenen begegnen kann, die dafür plädieren, der Kunst den Abschied zu geben.« WDR

»Dies ist keineswegs eine schlechte Zeit für Lyrik. Im Gegenteil. [...] Wir sind für einen Augenblick Subjekt, nicht Objekt der Geschichte.« Hilde Domin

 

Das zweite Paradies. Roman in Segmenten. von Hilde Domin

In ihrem Roman »Das zweite Paradies« gibt Hilde Domin die Hoffnung, nicht Suchender bleiben zu müssen, sondern die wichtigste Rückkehrerfahrung zu machen, die zu sich selbst. Das zweite Paradies: die Vision eines verheißenden Landes, das am Ende eines weiten Weges liegt. Man verzichtet auf seinen Besitz. Aber man ist immer zu ihm unterwegs.

»... wenn ich gleichwohl sage, wie sehr Ihre Verse mich wieder beeindruckten, dann nehmen Sie es einfach als eine private Versicherung an. Anders verhält es sich mit dem ›Zweiten Paradies‹. Hier glaube ich, ein wenig kompetent zu sein, wenn ich Ihnen von der Wohlgelungenheit dieses eigentümlich und eigenwillig komponierten Bandes schreibe, dann hat meine Aussage vielleicht mehr Gewicht.« Jean Améry

 

Rückkehr der Schiffe. von Hilde Domin

Orientierung

Mein Herz, diese Sonnenblume
auf der Suche
nach dem Licht.
Welchem
der lang vergangenen Schimmer
hebst du den Kopf zu
an den dunklen Tagen?

»Hilde Domins Verse lassen uns auf eine neue Weise verstehen, was Dichtung ist. Wer mit ihr realisiert, was Rückkehr ist, weiß mit einem Male, dass Dichtung immer Rückkehr ist – Rückkehr zur Sprache. Darin liegt die doppelte Symbolkraft ihrer dichterischen Aussage.« Hans-Georg Gadamer

»Einfachheit und Klarheit sind in diesen neuen, neuartigen Gedichten zu beispielloser Konzentration und Kondensation gelangt [...] in blühenden Farben hingesetzte Vision eines Allgemeinen«, urteilte Kurt Pinthus über Hilde Domins 1962 erschienenen zweiten Gedichtband.

 

Domin, Hilde: Ich will dich

»Stücke wie ›Abel steh auf‹, ›Ecce homo‹, ›Filter‹, ›Graue Zeiten‹ gehörten in die Lesebücher der Oberstufen. Zum Auswendig-Lernen!« hat Hans Peter Keller 1970 bei Erscheinen von Hilde Domins viertem Gedichtband ›Ich will Dich‹ gefordert.

Das Motto zum ersten Teil der Gedichte gibt die Begründung: »Damit es anders anfängt / zwischen uns allen.« Mit großem, zugleich aber ganz leicht wirkendem Atem ist diese Lyrik geschrieben als Antwort auf die gesellschaftlichen und politischen Grundprobleme unserer Zeit.

»Die neuen Gedichte ziehen ihre direkte und suggestive Kraft aus der gezielten literarischen Aussage, aus jenem ›Benennen‹ von Zuständen, die nun auf diesem Wege ihre gemäße Sprache finden und in ihr verbleiben.« Karl Krolow

 

Wort und Ding

Wort und Ding
lagen eng aufeinander
die gleiche Körperwärme
bei Ding und Wort

Für das Taschenbuch hat Hilde Domin zu den 22 Gedichten der Ausgabe von 1970 weitere 18, später geschriebene ausgewählt.
 

Weitere Literaturempfehlungen

  • Hilde Domin: NACHKRIEG UND UNFRIEDEN
  • Hilde Domin: DAS GEDICHT ALS AUGENBLICK VON FREIHEIT
  • Hilde Domin: ABER DIE HOFFNUNG
  • Hilde Domin: VON DER NATUR NICHT VORGESEHEN
  • Hilde Domin: DOPPELINTERPRETATIONEN
  • Hilde Domin: DIESER WEITE FLÜGEL Hörbuch
  • VOKABULAR DER ERINNERUNG

 

  • Arbeitsblätter Deutsch Exil und Heimkehr
    Rose Ausländer und Hilde Domin.

    Dez.1996, KLETT ERNST /SCHULBUCH, STUTTGART
  • Domin, Hilde: Ausgewählte Gedichte. Mit CD.
    Dez.2000, FISCHER TASCHENBUCH-VLG., FRANKFURT
  • Lermen, Birgit / Braun, Michael. Hilde Domin.
    Hand in Hand mit der Sprache.

    Nov.1997, BOUVIER VERLAG, BONN

Zur Kurzbiographie im Computergarten

Viel Freude mit den Büchern von Hilde Domin! I.S.

 

 
 

 

http://www.onlinekunst.de/julizwei/Domin_Bio.htm