Der COMPUTERGARTEN am 21. Juli
Geburtstag Lovis Corinth Seite 3

Lovis Corinth
1858 - 1925

Lovis Corinth und der Tod

Warum nicht schon jetzt?

lebe

warte nicht ab
mit dem Leben

ich weiß

ein zweites Leben
ist im Gespräch

aber

es gibt da
gewisse Unsicherheiten

denn

wer weiß schon
um den wahren Himmel

und

warum sollte nicht schon jetzt
Himmel sein?

...was spricht dagegen?

Gedicht von Reinhard Lehmitz

Selbstbildnis mit Skelett

Selbstbildnis mit Skelett, Gemälde, 1896, im Alter von 38 Jahren,
München, Städt. Galerie im Lenbachhaus

"Entartete Kunst" wurde die Kunst von Lovis Corinth in diffamierender Weise von den Nazis genannt.1937 fanden zur Brandmarkung in München und an anderen Orten Ausstellungen statt, die auch Werke von Lovis Corinth zeigten. Das Gedicht "Warum nicht schon jetzt?" wird hier mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Lehmitz veröffentlicht. Alle Rechte beim Autor. Kontakt zu Reinhard Lehmitz

Lovis Corinth und der Tod

Der vitale Künstler steht vor dem Skelett. Er scheint sich nicht vor ihm zu fürchten. Der Kopf des Künstlers überragt den Schädel des Skelettes. Die Linie, die das Atelierfenster bildet, untersreicht das Überragen. Das Fenster hinter Corinth ist geöffnet: Das Leben wartet.

Der Tod ist stumm dargestellt

Lovis Corinth nennt das Bild "Selbstbildnis mit Skelett". Erst wird der Künstler genannt, dann wird das Skelett genannt. Wir sehen den blauen Himmel, dampfende Schornsteine und Häuser: Symbole für Leben. Aber keine symbolische Szene: Sachlichkeit überwiegt. Lovis Corinth scheint uns zu sagen: "Der Tod muß noch warten". Der Tod berührt den Künstler nicht.

Der Tod ist sprechend dargestellt

Der alternde Künstler beugt sich dem Tod.
Der Schädel des Todes ist höher dargestellt als der Schädel des Künstlers. Die Stelle des offenen, hellen Fensters hat ein dunkles Loch, tiefer als nur ein Schatten, eingenommen.
Das Selbstportrait entstand 4 Jahre vor seinem Tod. Die Uhr läuft bald ab, scheint er uns sagen zu wollen. Seine Armbanduhr ist vom Handgelenk weg zur Mitte der Hand geschoben. Die Uhr ist ein Symbol für Vergänglichkeit, für verstreichende Zeit. Über dem Kopf von Lovis Corinth steht: "Tod und Künstler". Erst wird der Tod, dann der Künstler genannt. Der Künstler verzichtet auf die Farbe. Die Hand des Skelettes greift nach der zeichnenden Hand von Lovis Corinth.

Abbildung oben : Detail aus dem Gemälde Selbstbildnis mit Skelett, 1896, im Alter von 38 Jahren

Abbildung links - 25 Jahre später: Selbstportrait in der Art von Rembrandt: Tod und Künstler (Death and the Artist), 1921


BUCHTIPP REINHARD LEHMITZ

Jahreszeiten - Miniaturen: Haiku-Senryu-Tanka
von Reinhard Lehmitz 2003, Taschenbuch - VHEVG Engelsdorfer Verlagsgesellschaft GbR
Ein wunderschönes kleines Buch mit stimmungsvollen Fotos!

BUCHTIPPS LOVIS CORINTH

Lovis Corinth, Aquarelle und späte Gemälde
von Lovis Corinth, Achim Sommer, Nils Ohlsen. Gebundene Ausgabe - 96 S. Hatje Cantz Verlag 2004
Kurzbeschreibung: Das Aquarellieren war für den in Ostpreußen geborenen Lovis Corinth (1858-1925) nicht etwa ein zweitrangiger Zeitvertreib, sondern eine besondere Herausforderung, die ihn zu höchster Experimentierfreude anspornte. Erstmals wird seine Aquarellmalerei nun in einer eigenen Publikation gewürdigt. Um ihre Bedeutung für das Werk des Künstlers hervorzuheben, werden die Blätter einigen ausgewählten, späten Ölgemälden gegenübergestellt. Dabei verweigert sich Corinths Kunst konsequent der Zuordnung zu einem einzigen Stilbegriff. Zusammen mit Max Liebermann und Max Slevogt als Trias des deutschen Impressionismus gefeiert, ist sein Werk in gleichem Maße dem Expressionismus verpflichtet. Es ist der spontane Impuls des Künstlers, der seinen großartigen Walchenseepanoramen, seinen schonungslosen Selbstporträts oder seinen farbensprühenden Blumenstillleben jene dramatische Wirkung verleiht, die so typisch für seine Aquarelle ist.

Der Fall Corinth. Und die Zeitzeugen Wellner.
von Stephan Walter Laux, Broschiert - 173 Seiten - Prestel, München 1998. Kurzbeschreibung: Lovis Corinth, einer der wichtigsten deutschen Maler an der Schwelle zum Expressionismus, war schon zu Lebzeiten ein berühmter Künstler. Da er selbst nie direkt über sein Leben sprach, sondern ihm wichtige Ereignisse in Form von 'Legenden' weitergab, blieb vieles in seiner Biographie unklar oder zumindest unbewiesen. Der jetzt gesichtete Nachlaß der Brüder Otto und Wilhelm Wellner, Studienfreunde Lovis Corinths aus der Königsberger Zeit, erhellt viele Fragen. Otto Wellner, der Corinth nach München folgte, gibt in seinen interessanten Briefen Aufschluß über die persönlichen Lebensumstände des Künstlers. Sein Bruder Wilhelm dokumentierte in zahlreichen Photographien das Leben in Corinths Atelier und sammelte alles, was mit ihm in Zusammenhang stand. Bisher nicht bekannte Fakten machen somit eine erneute Beschäftigung mit dem 'Fall Corinth' erforderlich.

Ich habe einen Lovis, keinen Vater . . .
von Wilhelmine Corinth,
Helga Schalkhäuser. Broschiert - 334 Seiten - Ullstein TB-Vlg., B. 1992

 

POSTER

Walchensee, Blick auf Wetterstein, Kunstdruck
von Lovis Corinth. Poster - Stiebner

 

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