Allgemeines zum I Ging

Das Buch der Wandlungen, chinesisch I Ging, gehört unstreitig zu den wichtigsten Büchern der Weltliteratur. Seine Anfänge reichen in mythisches Altertum zurück.
Bis auf den heutigen tag beschäftigt es die bedeutendsten Gelehrten Chinas. Fast alles, was in der über 3000 Jahre alten chinesischen Geschichte an großen und wichtigen Gedanken gedacht wurde, ist teils angeregt durch dieses Buch, teils hat es rückwirkend auf die Erklärung des Buches Einfluß ausgeübt, so daß man sagen kann, daß im I Ging die reifste Weisheit von Jahrtausenden verarbeitet ist.
Beide Zweige der chinesischen Philosophie, der Konfuzianismus und der Taoismus, haben ihre gemeinsamen Wurzeln hier.
Ja nicht nur die Philosophie, auch die Naturwissenschaft und die Staatskunst Chinas haben immer wieder aus diesem Weisheitsbuch geschöpft, und es ist kein Wunder, daß dieses Buch als einziges der alten Weisheitsschriften der Konfuzianer selbst der großen Bücherverbrennung des Tsin Schi Huang entging.

Was ist nun das Buch der Wandlungen eigentlich ? Um zu einem Verständnis des Buches und seiner Lehren zu kommen, müssen wir das dichte Geranke von Erklärungen, die alles Mögliche von außen her in das Buch hineinerklären, energisch ablösen, ganz einerlei, ob es sich um die abergläubischen Geheimnisse alter chinesischer Zauberer oder um die nicht minder abergläubischen Theorien moderner europäischer Gelehrter handelt.

Als Grundsatz müssen wir hier festhalten, das Buch der Wandlungen aus sich selbst und seiner Zeit zu erklären. Da lichtet sich dann das Dunkel recht merklich, und wir kommen zu der Erkenntnis, daß das Buch der Wandlungen zwar ein sehr tiefes Buch ist, aber dem Verständnis keine größeren Schwierigkeiten bietet als irgendein Buch, das aus dem Altertum in einer langen Geschichte auf unsere Zeit gekommen ist.

(aus dem Vorwort)

Besprechung der Zeichen

... Die heiligen Weisen von alters machten das Buch der Wandlungen also: Sie wollten den Ordnungen des inneren Gesetzes und des Schicksals nachgehen. Darum stellten sie den Sinn des Himmels fest und nannten ihn: Das Dunkle und das Lichte. Sie stellten den Sinn der Erde fest und nannten ihn: Das Weiche und das Feste. Sie stellten den Sinn des Menschen fest und nannten ihn: die Liebe und die Gerechtigkeit. Diese drei Grundkräfte nahmen sie zusammen und verdoppelten sie. Darum bilden im Buch der Wandlungen immer sechs Linien ein Zeichen.

Himmel und Erde bestimmen die Richtung. Berg und See stehen in Verbindung ihrer Kräfte. Donner und Wind regen einander nicht auf. Wasser und Feuer bekämpfen einander nicht. So werden die acht Zeichen durcheinander gestellt.
Das Vergehende zu zählen, beruht auf der Vorwärtsbewegung. Das Kommende zu wissen, beruht auf der rückläufigen Bewegung.

    Der Donner bewirkt die Bewegung

    Der Wind bewirkt die Auflösung

    Der Regen bewirkt die Befeuchtung

    Die Sonne bewirkt die Erwärmung

    Das Stillehalten bewirkt die Innehaltung

    Das Heitere bewirkt die Erfreuung

    Das Schöpferische bewirkt die Beherschung

    Das Empfangene bewirkt die Bergung

    
Aus
I Ging, übersetzt von R. Wilhelm
Diederichs Verlag, Düsseldorf 1974
Seiten 244-248

UC Berkeley Chinese Library

Symbolik des I Ging