Buchtipp:
Oscar Wilde im Kreuzverhör
von Merlin Holland, Henning Thies (Übersetzer).
Gebundene Ausgabe - 455 Seiten - Blessing
2003
Kurzbeschreibung: Am 18. Februar 1895
hinterließ der Marquis von Queensberry,
der Vater von Lord Douglas, in Wildes
Club eine Karte "Für Oscar Wilde, den
posierenden Homosexuellen". Gegen den
Rat seiner Freunde entschloss sich Wilde,
den Marquis wegen Verleumdung zu verklagen
- und setzte damit einen Prozess in Gang,
der wie eine Komödie begann und sich vor
den Augen einer fassungslosen Öffentlichkeit
unaufhaltsam in eine Tragödie verwandelte.
Wilde befand sich im Zenit seines Ruhms,
als er so sein Schicksal herausforderte
und damit den größten Skandal seiner Zeit
auslöste. Entsprechend tief war sein Fall
- er verlor und wurde anschließend zu
zwei Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit
verurteilt. Aus der Niederschrift dieser
dreitägigen Gerichtsverhandlung ist ein
Buch entstanden, das über die reine Dokumentation
weit hinausgeht. Wir erleben darin einen
siegessicheren Helden, der souverän seinen
Witz einsetzt, um selbst im Gerichtssaal
das Publikum für sich zu gewinnen.
Und wir erleben, wie diesem Helden der
Prozess gemacht wird - nicht nur aufgrund
seines teils fragwürdigen Verhaltens,
sondern auch aufgrund seines literarischen
Werkes. Es ist ein verzweifelter Kampf,
den der "Herr der Sprache" hier führt,
und er muss erkennen, dass ironische Überlegenheit
als Waffe nicht taugt. Eine untaugliche
Waffe ist auch die Lüge - auf sie hatte
Oscar Wilde vergeblich gesetzt.