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Portrait Foto Oscar Wilde

Portraitfoto Oscar Wilde

 

Das Gedicht wurde von Jan Bucksch eingesandt. Herzlichen Dank!

Oscar Wilde wurde am 16.10.1854 in Dublin geboren.
Er starb am 30.11.1900 in Paris.

Als ich das Dies Irae in der Sixtinischen Kapelle hörte

Nein, Gott, nicht so! Lenzfrohes Knospenspringen,
Olivenhain, der Taube Silberbrust
Zeigt klarer deiner Liebe Sein und Macht
Als Flammenschreck und Donnerkeulenschwingen.

Die roten Reben dein Gedenken bringen;
Ein Vogel, der des Abends westwärts fliegt,
Sagt mir von Ihm, den niemals Rast gewiegt;
Von dir, ich weiß es, alle Vögel singen.

Nein, komm nicht so! Komm in des Herbsttags Stille,
Wenn rot und braun entflammt die Blätter sind
Und über Wäldern echot Schnittersang.

Komm, wenn des runden Mondes Glanz und Fülle
Auf goldne Ährenbündel nieder rinnt,
Und ernte deine Frucht: wir harrten lang.

Oscar Wilde

Buchtipp: Oscar Wilde im Kreuzverhör
von Merlin Holland, Henning Thies (Übersetzer). Gebundene Ausgabe - 455 Seiten - Blessing 2003

Kurzbeschreibung: Am 18. Februar 1895 hinterließ der Marquis von Queensberry, der Vater von Lord Douglas, in Wildes Club eine Karte "Für Oscar Wilde, den posierenden Homosexuellen". Gegen den Rat seiner Freunde entschloss sich Wilde, den Marquis wegen Verleumdung zu verklagen - und setzte damit einen Prozess in Gang, der wie eine Komödie begann und sich vor den Augen einer fassungslosen Öffentlichkeit unaufhaltsam in eine Tragödie verwandelte.

Wilde befand sich im Zenit seines Ruhms, als er so sein Schicksal herausforderte und damit den größten Skandal seiner Zeit auslöste. Entsprechend tief war sein Fall - er verlor und wurde anschließend zu zwei Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt. Aus der Niederschrift dieser dreitägigen Gerichtsverhandlung ist ein Buch entstanden, das über die reine Dokumentation weit hinausgeht. Wir erleben darin einen siegessicheren Helden, der souverän seinen Witz einsetzt, um selbst im Gerichtssaal das Publikum für sich zu gewinnen.

Und wir erleben, wie diesem Helden der Prozess gemacht wird - nicht nur aufgrund seines teils fragwürdigen Verhaltens, sondern auch aufgrund seines literarischen Werkes. Es ist ein verzweifelter Kampf, den der "Herr der Sprache" hier führt, und er muss erkennen, dass ironische Überlegenheit als Waffe nicht taugt. Eine untaugliche Waffe ist auch die Lüge - auf sie hatte Oscar Wilde vergeblich gesetzt.

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