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Abbildung: "Klage", bearbeitetes
Foto, 2003 von © Inga Schnekenburger
Musik:
In the monastery, Andante religioso. Komposition
von Borodin, midi bor_ps1.mid
von Bernd Krüger 2000. Alle Rechte an dem
Musikstück bei Bernd Krüger www.piano-midi.de
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Ein Herbstabend
Es weht der Wind so kühl, entlaubend
rings die Äste,
Er ruft zum Wald hinein: Gut Nacht, ihr
Erdengäste!
Am Hügel strahlt der
Mond, die grauen Wolken jagen
Schnell übers Tal hinaus, wo alle Wälder
klagen.
Das Bächlein schleicht hinab, von abgestorbnen
Hainen
Trägt es die Blätter fort mit
halbersticktem Weinen.
Nie hört ich einen Quell so leise traurig
klingend,
Die Weid am Ufer steht, die weichen Äste
ringend.
Und eines toten Freunds gedenkend lausch
ich nieder
Zum Quell, er murmelt stets: wir sehen uns
nicht wieder!
Horch! plötzlich in der Luft ein schnatterndes
Geplauder:
Wildgänse auf der Flucht vor winterlichem
Schauder.
Sie jagen hinter sich den Herbst mit raschen
Flügeln,
Sie lassen scheu zurück das Sterben
auf den Hügeln.
Wo sind sie? ha! wie schnell sie dort vorüberstreichen
Am hellen Mond und jetzt unsichtbar schon
entweichen;
Ihr ahnungsvoller Laut läßt sich
noch immer hören,
Dem Wandrer in der Brust die Wehmut aufzustören.
Südwärts die Vögel ziehn
mit eiligem Geschwätze;
Doch auch den Süden deckt der Tod mit
seinem Netze.
Natur das Ewge schaut in unruhvollen Träumen,
Fährt auf und will entfliehn den todverfallnen
Räumen.
Der abgerißne Ruf, womit Zugvögel
schweben,
Ist Aufschrei wirren Traums von einem ewgen
Leben.
Ich höre sie nicht mehr, schon sind
sie weit von hinnen;
Die Zweifel in der Brust den Nachtgesang
beginnen:
Ists Erdenleben Schein? - ist es die umgekehrte
Fata Morgana nur, des Ewgen Spiegelfährte?
Warum denn aber wird dem Erdenleben bange,
Wenn es ein Schein nur ist, vor seinem Untergange?
Nikolaus Lenau (1838)
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