zur Startseite der Herbstlyrik
 


 

In der Fremde Bild von Inga Schnekenburger

"In der Fremde" Bild von © Inga Schnekenburger 2003

 

Strophen aus der Fremde II


Ich möchte hingehn wie das Abendrot
Und wie der Tag in seinen letzten Gluten -
O leichter, sanfter, ungefühlter Tod! -
Mich in den Schoß des Ewigen verbluten.

Ich öhingehn wie der heitre Stern,
Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken;
So stille und so schmerzlos möchte gern
Ich in des Himmels blaue Tiefen sinken.

Ich möchte hingehn wie der Blume Duft,
Der freudig sich dem schönen Kelch entringet
Und auf dem Fittich blötenschwangrer Luft
Als Weihrauch auf des Herren Altar schwinget.

Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal,
Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken;
O wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl,
Auch meine lebensmüde Seele trinken!

Ich möchte hingehn wie der bange Ton,
Der aus den Saiten einer Harfe dringet,
Und, kaum dem irdischen Metall entflohn,
Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust erklinget.

Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot,
Du wirst nicht stille wie der Stern versinken,
Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod,
Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken.

Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur,
Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen;
Sanft stirbt es einzig sich in der Natur,
Das arme Menschenherz muß stückweis brechen.

Georg Herwegh (1839)

Das Gedicht wurde von Franz Liszt (1811-1886) vertont


Georg Herwegh - Kurzbiographie

geboren am 31. Mai 1817, gestorben am 7. April 1875, revolutionärer Dichter und Publizist. Georg Friedrich Rudolph Theodor Herwegh wird am 31. Mai 1817 in Stuttgart geboren. Georg Herwegh erliegt am 7. April 1875 im Alter von 58 Jahren den Folgen einer Lungenentzündung in Lichtenthal bei Baden-Baden. Er wird in Liestal im Schweizer Kanton Baselland, der ihm viele Jahre zuvor das Bürgerrecht verlieh, beigesetzt, seinem Wunsch entsprechend.

Buchtipps

  • Buchtipp: Die eiserne Lerche. Die Lebensgeschichte des Georg Herwegh
    von Michail Krausnick. Es ist eine ausführliche Lebensgeschichte mit zeitlich passenden Gedichten. Das revolutionäre Leben des Dichters und seine Liebe zu zwei Frauen wird lebendig geschildert. Die eiserne Lerche. Georg Herwegh. ( Ab 14 J.). Dichter und Rebell. von Michail Krausnick Taschenbuch - 176 Seiten Erscheinungsdatum: 1990 ISBN: 3797102887 bei amazon.de: Die eiserne Lerche. Georg Herwegh
  • Buchtipp: Herwegh. Ein Heldenleben.
    Die Andere Bibliothek. von Ulrich Enzensberger. Gebundene Ausgabe - 394 Seiten - Eichborn ISBN: 3821841737. Kurzbeschreibung: Georg Herwegh (1817 bis 1875): Glückspilz, liebenswürdiger Narr, Tagedieb, Vaterlandsverräter, Wirrkopf und Deutschlands erster politischer Dichter. Seiner soll in dieser Biographie, die ihn auf Grund neu erschlossener Quellen in seiner ganzen Ambivalenz schildert, gedacht werden. Er ist ziemlich vergessen, aber zu Lebzeiten war er berühmt und berüchtigt: der deutsche Star 1841, der Buhmann des Jahres 1848. Vertauschte die Feder mit dem Schwert und rettete sich im letzten Moment. Immer wieder Unperson, immer wieder in den Schlagzeilen. Schmachtende Damenkränzchen, Spottfigur der Bänkelsänger, ewiger Emigrant, Freund von Marx, Bakunin, Wagner, Liszt, Herzen und vielen anderen. bei amazon.de: Herwegh. Ein Heldenleben. Die Andere...

Linktipp

nächstes Gedicht >>

 

 

Gästebuch

Gedichte für den Herbst bei onlinekunst.de - Kunst und Kultur im Internet
Siteinfo: http://www.onlinekunst.de/herbstlyrik/