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20 Einträge vom 22. September 2002 bis zum 25. September 2002
Wie ich lieben will Ich will lieben, unabhängig von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, von Seinkönnen und Nichtseinkönnen. Ich will lieben, unabhängig von Zeit, von Tagen, von Wochen, von Monaten, unabhängig von Augenblick und Ewigkeit. Ich will lieben, unabhängig von Raum, von Ferne oder Nähe, von Getrenntsein und Einssein. Ich will lieben, unabhängig von falscher Vernunft, beengender Moral und bestimmender Tradition. Ich will lieben, unabhängig von Körper, von Lust, Verlangen und Ekstase - manchmal... ...und manchmal will ich lieben, unabhängig von Geist, von Denken, von Überlegen und Abwiegen und von Entscheidenmüssen. Ich will lieben, unabhängig von anderen, von mir und von dir. Aber ich will lieben, dich, mich, uns. Ich will lieben.
LIEBE ICH FREUE MICH WENN ICH DICH SEHE ICH FREUE MICH WENN DU BEI MIR BIST ICH FREUE MICH WENN DU MICH ANLÄCHELST ICH FREUE MICH WENN ICH DICH LIBEN KANN DOCH ICH BIN TRAURIG: DENN DU BIST NICHT BEI MIR!
Sehnsucht ich sehne mich nach dir nach deinen worten die meine seele zärtlich streicheln du hast meine seele berührt was mich verführt zu denken was ich nicht denken darf
Tausendfüßlers Albtraum Tausend Füße gehen weit Vielleicht in alle Ewigkeit Tausend Füße, tausend Beine laufen fast schon von alleine Tausend mal tausendmal Tausend mal vieltausendmal Sovielmal Mal für Mal Wievielmal allemal Immer im Takt bleiben Nicht aneinander reiben Niemals holpern Keinesfalls stolpern Ohne Rückgrat Würmer können sich teilen Dann hierhin und dorthin eilen Sind vorne und hinten gleich Außen und innen weich Haben keinen Rücken Müssen sich nie bücken
Herbstabend in Berlin (Ingo Schäfer) Es ist kalt geworden. Heute regnet es den ganzen Tag. An Parkeingang steht der Dealer Und friert. Den alten Mann fragt er, Ob er etwas zu rauchen haben möchte Für heute abend Zuhaus.
EIN HERBSTABEND von Nikolaus Lenau Es weht der Wind so kühl, entlaubend rings die Äste, Er ruft zum Wald hinein: Gut Nacht, ihr Erdengäste! Am Hügel strahlt der Mond, die grauen Wolken jagen Schnell übers Tal hinaus, wo alle Wälder klagen. Das Bächlein schleicht hinab, von abgestorbnen Hainen Trägt es die Blätter fort mit halbersticktem Weinen. Nie hört ich einen Quell so leise traurig klingend, Die Weid am Ufer steht, die weichen Äste ringend. Und eines toten Freunds gedenkend lausch ich nieder Zum Quell, er murmelt stets: wir sehen uns nicht wieder! Horch! plötzlich in der Luft ein schnatterndes Geplauder: Wildgänse auf der Flucht vor winterlichem Schauder. Sie jagen hinter sich den Herbst mit raschen Flügeln, Sie lassen scheu zurück das Sterben auf den Hügeln. Wo sind sie? ha! wie schnell sie dort vorüberstreichen Am hellen Mond und jetzt unsichtbar schon entweichen; Ihr ahnungsvoller Laut läßt sich noch immer hören, Dem Wandrer in der Brust die Wehmut aufzustören. Südwärts die Vögel ziehn mit eiligem Geschwätze; Doch auch den Süden deckt der Tod mit seinem Netze. Natur das Ewge schaut in unruhvollen Träumen, Fährt auf und will entfliehn den todverfallnen Räumen. Der abgerißne Ruf, womit Zugvögel schweben, Ist Aufschrei wirren Traums von einem ewgen Leben. Ich höre sie nicht mehr, schon sind sie weit von hinnen; Die Zweifel in der Brust den Nachtgesang beginnen: Ists Erdenleben Schein? – ist es die umgekehrte Fata Morgana nur, des Ewgen Spiegelfährte? Warum denn aber wird dem Erdenleben bange, Wenn es ein Schein nur ist, vor seinem Untergange?
11/09 Menschen, die der Meuchler rief Geritten kam der Wolf auf Feuer, Asche lodert Hoffnung tief, trinkt von ihr, das Ungeheuer. Zähne reißen viele Wunden, Fratzenlarve lacht Verderben, Geist des Tänzers klafft geschunden, tote Münder schreien Scherben. Himmel höhnt die blaue Farbe, freudig Götze salbt den Ort. Auf dass der Schmerz auch nie vernarbe, reißt das Untier Wahrheit fort. Leere Schluchten weinen grau, zermissen ferne Schattenspiele, Genommen hat’s den prächtgen Bau Übrig fliehen ferne Ziele.
Spielmann und Zither
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Karl Theodor Körner
1791 - 1813
Der Spielmann saß am Felsen
und blickte hinunter in`s Meer
und sah die Wogen sich wälzen
und fluten um sich her;
Die Zither lag zur Seite,
Die Luft war rein und mild,
und wie aus ferner Weite
kam ihr manch` liebes Bild;
Kam auch der Schlummmer treulich,
Spielt um das Silberhaar
Und schloß so still und heilig
Das müde Augenpaar.
Und mit dem Kreos der Träume
Kam Jugendlust herauf;
Und viel zerknickte Keime
Blühten lebendig auf;
Und alte schöne Stunden
Wurden ihm wieder neu,
Als hätt`er Liebchen gefunden
Und Liebchen war ihm treu !
Da faßt ein plötzlich Grausen
Ihn wie mit Sturmeswahn,
Und Wogen hört er brausen,
Sah Liebchen untergehn;
Und jetzt aus seinen Träumen
Der Spielmann schnell erwacht
Und sieht die Wogen schäumen
Und sieht der Wellen Nacht.
Und hört die Winde pfeifen
Und stürmen um sich her,
Tat nach der Zither greifen,
Fand keine Zither mehr.
Die Zither schwimmt in den Wellen,
Der Sturm riß sie hinab.
Und seine Tränen quellen
Bei seiner Liebsten Grab,
Da wird`s ihm als ob sie riefe,
Als klängen die Saiten an
Und er stürzt sich hinab in die Tiefe
Und bricht durch die Wellen sich Bahn
Und von Weitem sieht er sie blinken
und kämpft sich zu ihr her,
Und hält sie empor, dann versinken
So Zither wie Spielmann in`s Meer.
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