
"Tai
- The Peace - I-Ging Nr. 11", 1995. Eggtempera on Wood
©
Inga
Schnekenburger, "Tai - Der Friede - I-Ging Nr. 11",
1995.
Eitempera auf Holz, 130 cm x 130 cm, Privatbesitz
Musik:
Ludwig van Beethoven
Mass n°1 in C major - Opus 86 - 1807 Agnus Dei: Adagio
Der
Friede. Aus:
I Ging Das Buch der Wandlungen
| 11.
TAI
DER FRIEDE
|
oben
Kun, das Empfangende, die Erde.
unten Kien, das Schöpferische, der Himmel
Das
Empfangende, dessen Bewegung sich nach unten senkt,
ist oben, das Schöpferische, dessen Bewegung nach
oben steigt ist unten. Ihre Einflüsse begegnen
daher einander und sind in Harmonie, so daß alle
Wesen blühen und gedeihen. Das Zeichen ist dem
ersten Monat (Februar-März) zugeordnet, in dem
die Kräfte der Natur den neuen Frühling vorbereiten.
|
Das
Urteil |
Der
Friede.
Das Klein geht hin, das Große kommt her. Heil!
Gelingen!
Das
Zeichen deutet in der Natur auf eine Zeit, da
sozusagen der Himmel auf Erden ist. Der Himmel
hat sich unter die Erde gestellt. So vereinigen
sich ihre Kräfte in inniger Harmonie. Dadurch
entsteht Friede und Segen für alle Wesen.
In der Menschenwelt ist es ein Zeit gesellschaftlicher
Eintracht.
Die Hohen neigen sich zu den Niedrigen herab,
und die Niedrigen und Geringen sind den Hohen
freundlich gesinnt, so daß alle Fehde ein Ende
hat. Innen, im Zentrum, am ausschlaggebenden Platz,
ist das Lichte; das Dunkle ist draußen. So hat
das Licht kräftige Wirkung, und das Dunkle ist
nachgiebig.
Auf diese Weise kommen beide Teile auf ihre Rechnung.
Wenn die Guten in der Gesellschaft in zentraler
Stellung sind und die Herrschaft in Händen haben,
so komm auch die Schlechten unter ihren Einfluß
und bessern sich. Wenn im Menschen der vom Himmel
kommende Geist herrscht, da kommt auch die Sinnlichkeit
unter seinen Einfluß und findet so den ihr gebührenden
Platz.
Die einzelnen Linien treten von unten her in das
Zeichen ein und verlassen es oben wieder. Es sind
also die Kleinen, Schwache, Schlechten im Weggang
begriffen, und die Großen, Starken, Guten sind
im Aufstieg. Das bringt Heil und Gelingen. |
Das
Bild |
Der
Friede.
Himmel und Erde vereinigen sich: das Bild des
Friedens. So teilt und vollendet der Herrscher
den Lauf von Himmel und Erde, fördert und ordnet
die Gaben von Himmel und Erde uns steht so dem
Volke bei. Himmel und Erde stehen im Verkehr und
vereinigen ihre Wirkungen. Das gibt eine allgemein
Zeit des Blühens und Gedeihens. Dieser Kraftstrom
muß vom Herrscher der Menschen geregelt werden.
Das geschieht durch Einteilung.
So wird die unterschiedslose Zeit entsprechen
der Folge ihrer Erscheinungen vom Menschen in
Jahreszeiten eingeteilt und der allumgebende Raum
durch menschliche Festsetzungen in Himmelsrichtungen
unterschieden. Auf diese Weise wird die Natur
mit ihrer überwältigenden Fülle der Erscheinungen
beschränkt und gebändigt.
Auf der andern Seit muß die Natur in ihren Hervorbringungen
gefördert werden. Das geschieht, wenn man die
Erzeugnisse der richtigen Zeit und dem richtigen
Ort anpaßt. Dadurch wird der natürliche
Ertrag gesteigert. Diese bändigende und fördernde
Tätigkeit der Natur gegenüber ist die Arbeit an
der Natur, die dem Menschen zugute kommt.
(Denselben Gedanken hat Goethe ausgedrückt in
den Versen: Dich im Unendlichen zu finden, Mußt
unterscheiden und verbinden). |
Die
einzelnen Linien |
| Anfangs
eine Neuen bedeutet: |
Zieht
man Bandgras aus, so geht der Rasen mit. Jeder nach
seiner Art.
Unternehmungen bringen Heil. In Zeiten der Blüte
zieht jeder tüchtige Mann, der auf einen Posten
berufen wird, sofort andere Gleichgesinnte nach
sich, wie man beim Herausziehen von Bandgras immer
gleich mehrere durch die Wurzeln miteinander zusammenhängende
Stengel mit herauszieht. Der Sinn des Tüchtigen
ist in solchen Zeiten, da die Wirkung im Großen
möglich ist, darauf gerichtet, ins Leben hinauszuziehen
und etwas zu leisten. |
| Neun
auf zweitem Platz bedeutet: |
Die
Ungebildeten in Milde tragen, entschlossen den Fluß
durchschreiten, das Ferne nicht vernachlässigen,
die Genossen nicht berücksichtigen: so mag
man es fertigbringen, in der Mitte zu wandeln. In
Zeiten der Blüte ist es vor allem wichtig,
daß man die innere Größe besitzt,
auch die Unvollkommenen zu tragen. Denn ein großer
Meister kennt kein unfruchtbares Material. Er kann
aus allem noch etwas machen. Diese Weitherzigkeit
ist aber keineswegs Nachlässigkeit oder Schwäche.
Man muß gerade in Blütezeiten stets bereit
sein, auch gefährliche Unternehmungen, wie
das Überschreiten eines Flusses (des "großen
Wassers") , zu wagen, wenn sie notwendig sind.
Ebenso gilt es nicht , das Entfernte zu vernachlässigen,
sonder mit Pünktlichkeit alles zu besorgen.
Vor Parteiungen hat man sich besonders zu hüten.
Denn wenn auch die Gleichgesinnten zusammen hervortreten,
dürfen sie doch nicht durch gegenseitiges Zusammenhalten
eine Partei bilden, sondern es muß jeder seine
Pflicht tun. Diese vier Dinge sind es, durch die
man die verborgene Gefahr allmählichen Erschlaffens,
die in jeder Friedenszeit lauert, überwinden kann,
und auf diese Weise findet man die rechte Mitte
des Handelns. |
| Neun
auf drittem Platz bedeutet: |
Keine
Ebene, auf die nicht ein Abhang folgt, kein Hingang,
auf den nicht die Wiederkehr folgt. Ohne Makel ist
, wer beharrlich bleibt in Gefahr. Beklage dich
nicht über diese Wahrheit, genie8e das Glück,
das du noch hast. Alles Irdische ist dem Wechsel
unterworfen. Auf Blüte folgt Niedergang. Das
ist das ewige Gesetz auf Erden. Das Schlechte kann
wohl zurückgedrängt, aber nicht dauernd
beseitigt werden. Es kommt wieder. Diese Überzeugung
könnte einen schwermütig machen. Aber das soll
sie nicht. Sie soll nur bewirken, daß man im Glück
nicht in Verblendung gerät. Bleibt man der
Gefahr eingedenk, so bleibt man beharrlich und macht
keinen Fehler. Solange das innere Wesen stärker
und voller bleibt als das äußere Glück,
solange wir innerlich dem Schicksal überlegen bleiben,
solange bleibt das Glück uns treu. |
| Sechs
auf viertem Platz bedeutet: |
Er
flattert hernieder, nicht pochend auf Reichtum,
zusammen mit seinem Nächsten, arglos und wahrhaftig.
In Zeiten gegenseitigen Vertrauens kommen die Hohen
ganz einfach, und ohne auf ihren Reichtum zu pochen,
gemeinsam zu den Niedrigen. Das ist nicht Zwang
der Umstände, sondern entspricht der innersten
Gesinnung. Dann macht sich die Annäherung ganz
zwanglos, weil sie auf innerer Überzeugung
beruht. |
| Sechs
auf fünftem Platz bedeutet: |
Der
Herrscher I gibt seine Tochter in die Ehe. das bringt
Segen und erhabenes Heil. Der Herrscher I ist Tang,
der Vollender. Er hatte bestimmt, daß die kaiserlichen
Prinzessinnen, trotzdem sie im Rang höher standen
als die Gatten, denen sie vermählt wurden,
ebenso ihren Gatten zu gehorchen hatten wie andere
Ehefrauen. Auch hier ist auf wirklich bescheidene
Vereinigung von hoch und niedrig hingewiesen, die
Glück und Segen bringt. |
| Oben
eine Sechs bedeutet: |
Der
Wall fällt wieder in den Graben. Jetzt brauche
keine Heere. In der eigenen Stadt verkünde
deine Befehle. Beharrlichkeit bringt Beschämung.
Der schon in der Mitte des Zeichens angedeutete
Wechsel ist eingetreten. Der Stadtwall sinkt wieder
in den Graben zurück, aus dem er gekommen war.
Das Verhängnis bricht herein. In diesem Fall
gilt es, sich dem Schicksal zu fügen und nicht
durch gewaltsamen Widerstand das Schicksal aufhalten
zu wollen. Das Einzige, was übrig bleibt, ist,
im engsten Kreis sich zu wahren. Wollte man auf
dem üblichen Weg beharrlich dem Übel widerstreben,
so würde der Zusammenbruch nur schlimmer, und
Beschämung wäre die Folge. |
Richard
Wilhelm |

I.
Schnekenburger, "Tai - Der Friede - I-Ging Nr.
11"
Eitempera auf Holz, 130 cm x 130 cm, Detail. |
Richard
Wilhelm
Geboren am 10. Mai 1873 in Stuttgart, gestorben
am 2. März 1930 in Tübingen. Richard Wilhelm
war von 1899-1921 Missionar und Pfarrer in China,
Tsingtau. 1924 übernahm er die Professur für Sinologie
(Chinesische Sprachen) an der Universität in Frankfurt
am Main. Zu dieser Zeit baute er das China- Institut
auf. Er war Direktor des China- Institutes. Seine
Übersetzungen machten weltweit die chinesische
Lieratur bekannt.
Werke (Auswahl):
-
1911 Tao te king.
Das Buch des Alten vom Sinn und Leben
-
1912 Liä Dsie.
Das wahre Buch vom südlichen Blütenland
- 1924
I Ging.
Das Buch der Wandlungen
-
1928 Frühling und Herbst des Lü Bu We.
|
Inga
Schnekenburger
geboren am 28. Juni 1949 in Winsen an der Luhe
(Niedersachsen), Künstlerin, lebt und arbeitet
in Donaueschingen (Baden- Württemberg).
Biographie
Inga Schnekenburger
Malerei
zum I Ging
Malerei von Inga Schnekenburger. Webdesign
von Andre Kaesmacher, Hauke Brandes und Markus
Äugle.
HTML-Authoring by Andre Kaesmacher and Hauke Brandes,
Additional Scanning by Markus Äugle. |
|