| Brauchen
Kinder Märchen? Kinder brauchen Märchen!
Manche
Menschen sind der Meinung, Märchen seien
grausam und man sollte den KIndern die Märchen,
die die Brüder Grimm gesammelt und veröffentlicht
haben, nicht geben.Dazu empfehle ich das hochinteressante
Buch von Bruno Bettelheim: "Kinder brauchen
Märchen"( The Uses of Enchantment,
1977), Deutsche Verlags Anstalt.
Im
ersten Teil schreibt Bruno Bettelheim über
die "Kraft der Verzauberung".
Er vergleicht das Märchen mit der Fabel,
stellt Optimismus gegen Pessimismus, das Lustprinzip
gegen das Realitätsprinzip, schreibt darüber,
wie Integration mit Hilfe des Märchens errungen
werden kann, aber auch im Kapitel Furcht vor
der Phantasie: "Warum wurden die Märchen
verpönt?".
Im
zweiten Teil untersucht der Autor die Märchen
"Hänsel und Gretel", Rotkäppchen",
Hans und die Bohnenranke", "Schneewittchen"
(Aspekt der eifersüchtigen Königin und
der Ödipusmythos), "Dornröschen"
und "Aschenputtel". Im Kapitel "Der
Tierbräutigam" werden weitere Märchen
(z.B. der Froschkönig") eingehend untersucht.
Wie
der Titel bereits verrät, kommt Bruno Bettelheim
zu dem Schluß: "Kinder brauchen
Märchen".
Heinrich
Wolgast hat dieses Thema schon in seinem Vorwort
zu "Grimms Märchen" im Jahre 1907
angeschnitten. Er erklärt, warum er Märchen
für besonders geeignet für Kinder hält
und zitiert auch Wilhelm Grimm: "Er
führt den Einwand anderer an, "dass
doch eins und das andere in Verlegenheit setze
und für Kinder unpassend oder anstößig
sei und Eltern es ihnen gerade nicht in die Hände
geben wollten".
Dazu
sagt er (Wilhelm Grimm): "Für einzelne
Fälle mag die Sorge recht sein ......im ganzen
ist sie gewiss unnötig. Nichts besser kann
uns verteidigen als die Natur selber, welche gerade
diese Blumen und Blätter in dieser Farbe
und Gestalt hat wachsen lassen....Regen und Tau
fällt als eine Wohltat auf alles herab, was
auf der Erde steht; wer seine Pflanzen nicht hineinzustellen
getraut, weil sie zu empfindlich dagegen sind
und Schaden nehmen könnten, sondern lieber
in der Stube begießt, wird doch nicht verlangen,
dass jene darum ausbleiben sollen."
Was
mir persönlich etwas suspekt erscheint, sind
die Märchen, die umgeschrieben worden sind
zu "Märchen ohne Verlierer" u.ä.
- die Kinder halten von derlei verwässerten
Märchen wenig und lehnen sie instinktiv ab.
Interessant ist es, wenn Märchen von früher
in "heutiger" Sprache neu erzählt
oder nacherzählt werden,
ohne den Sinn, den Inhalt wesentlich zu verändern.
(Mein
Beitrag: Das Märchen vom Schmetterling nach
Hans Christian Andersen frei nacherzählt und mit
Bildern versehen von Inga Schnekenburger).
Aber
nicht nur Kinder brauchen Märchen, es gibt
Therapeuten, die schon so manchen Erwachsenen
mit Hilfe von Märchen erfolgreich therapiert
haben! Mein
Tipp: Heute mal den Krimi ausfallen lassen und
ein Märchen der Brüder Grimm lesen oder
vorlesen!
I.S.
BUCHTIPP:
Kinder
brauchen Märchen.
von Bruno Bettelheim
Broschiert - 394 Seiten -
Dtv Erscheinungsdatum: 1980
Kinder
brauchen Märchen
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