Das Eichhörnchen gilt als süß und putzig, es ist uns vertraut, doch sein Bild in der Kunst ist weitgehend unbekannt. Und das, obwohl es nicht wenige Eichhörnchendarstellungen gibt, die von großen Künstlern wie Gentile Bellini, Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Franz Marc, Meret Oppenheim oder Sophie Calle geschaffen wurden. Insofern leistet das Buch Ungewöhnliches und schließt eine Lücke, indem es die erste Darstellung des Eichhörnchens in der Kunst vom Mittelalter bis heute liefert.
Das Buch ist eine kunst- und kulturgeschichtliche sowie semifiktionale Erzählung. Die Tiermalerin Thilda und ihr Modell Paule, ein Eichkater, machen während ihrer USA-Reise im Museum der Schönen Künste in Boston eine aufregende Entdeckung: Sie sehen ein „Hörnchen” auf einem alten Gemälde. Es ist das berühmte Bild “Ein Junge mit einem Eichhörnchen” (1765) von dem amerikanischen Maler John Singleton Copley. Was die beiden noch mehr überrascht, ist die Kette, durch die das Haustier erkennbar wird. Thilda und Paule lernen durch Recherchen, dass Eichhörnchen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert gezähmt und gern von Frauen und Kindern gehalten wurden. Mehr noch finden sie heraus, dass auch Maler in früheren Zeiten Eichhörnchen als Modell hielten.
Kunst- und kulturhistorische Darstellungen über Tiere gibt es viele, kurioserweise aber keine über Eichhörnchen, obwohl es zu den bestbekannten Bewohnern unserer Wälder und Parks gehört und in der westlichen Kulturhemisphäre zu den beliebtesten Tieren zählt. Es wundert deshalb nicht, dass die Zahl der Eichhörnchendarstellungen in der westlichen Hochkunst und in Gegenständen der Populärkultur beachtlich ist.
In den berühmtesten Kunstsammlungen und Kunstmuseen der Welt befinden sich Bilder, auf denen Eichhörnchen zu sehen sind. Kunsthistoriker haben darüber bisher wenig zu sagen gehabt, sie interessierte höchstens die symbolische Bedeutung. Fast unbekannt ist, dass sich Eichhörnchen auf Kunstwerken aller Epochen finden. Vom mittelalterlichen Kirchenretabel bis zur Avantgardekunst. Diese erstaunliche Präsenz drückt der Buchtitel aus: „Eichhörnchen begegnet Pelztasse“ bezieht sich einerseits auf die surrealistische Künstlerin Meret Oppenheim, die in ihrem OEuvre mit der Assemblage „Eichhörnchen“ ein spätes Pendant zu ihrer frühen surrealistischen Ikone „Das Pelzfrühstück“ gestaltete, und andererseits generell auf das Eichhörnchen in der christlichen Kunst.

Leseprobe: Sie [Meret Oppenheim] fertigt verrückten Schmuck und andere Accessoires für den Modebetrieb an, aber das bringt nicht viel ein. Dazu gehören auch Armbänder aus pelzbezogenen Metallrohren, die sie 1936 gestaltet. Picasso und seine Freundin Dora Maar sehen bei einem Treffen im Café an Meret ein derartiges Armband und sind sehr angetan. Picasso lobt die Idee und meint, eigentlich könne man alles auf diese Weise mit Pelz beziehen.
Meret soll darauf spontan zurückgefragt haben: ‚Auch diesen Teller und diese Tasse?‘ Auch das, war Picassos Antwort, und so kam Meret auf die Idee zu einem der berühmtesten surrealistischen Kunstwerke: dem ‚Frühstück im Pelz‘, einer mit Pelz bezogenen Tasse auf einem mit Pelz bezogenen Teller, mit einem pelzbezogenen Löffel.“
„Schrecklich! Welches Tier musste dafür wieder dran glauben?“ „Meret nahm Gazellenfell. Es ist sehr fein und für die Herstellung von Sommerpelzen beliebt. Es gilt als typisch weiblicher Pelz. Oppenheim verwendete für das Tassenäußere das helle, fast weiße Bauchfell und für die Tasseninnenseite das farbige, langhaarige Oberfell.“ „Einfach widerlich! Dass ein graziles Tier auf so barbarische Weise in die Tasse gehauen wird. Nee, diese Grausamkeit ist beispiellos.“
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“Eichhörnchen begegnet Pelztasse” ist eine unterhaltsame Geschichte, die von Kai Artinger mit wunderbaren Zeichnungen illustriert wurde.
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