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Unter der Linde

foto: unter der linde von © inga schnekenburger 2001

Abends unter der Linde

Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Tränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendrot, o Mondenblitz,
Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flüstert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich wie Geistergruß;
Es geht mich an wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde grauer Scheitel bebt -
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle, eures Atems Kuß,
O Julie, o Emilius!

Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül
Durch stumme leichenvolle Oden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll -
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!

Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten

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