zur Startseite der Baumgedichte
 

Eberesche im Nebel

foto: eberesche im nebel von © inga schnekenburger 2001

 

Der Baum

Sonne hat ihn gesotten,
Wind hat ihn dürr gemacht,
Kein Baum wollte ihn haben,
Überall fiel er ab.

Nur eine Eberesche
Mit roten Beeren bespickt
Wie mit feurigen Zungen,
Hat ihm Obdach gegeben.

Und da hing er mit Schweben,
Seine Füße lagen im Gras.
Die Abendsonne fuhr blutig
Durch die Kippen ihm nach,

Schlug die Ölwälder alle
Über der Landschaft herauf,
Gott in dem weißen Kleide
Tat in den Wolken sich auf.

In den blumigen Gründen
Schlangengezücht,

den silbernen Hälsen
Zwitscherte dünnes Gerücht.

Und sie zitterten alle
Über dem Blätterreich,
Hörend die Hände des Vaters
Im hellen Geäder leicht.

Georg Heym

zum nächsten Baumgedicht >>

 

Linktipp: Pflanzengedichte: noch mehr Baumgedichte!

Kunst und Kultur im Internet. Baum und Bäume in der Kunst
Siteinfo: http://www.onlinekunst.de/baumgedichte/georg_heym.html