Die Eichbäume
Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne
des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig
und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen
Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk
von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch
und dem Himmel,
Der euch nährt` und erzog, und der Erde,
die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen
gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei,
aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler
die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des
Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden,
ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige
Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das
Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern
würd ich unter euch wohnen.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) |