Der Computergarten am 15. August

Kräuterweihe am 15. August - Maria Himmelfahrt

Abbildung: Huflattich (Tussilago farfara), Foto von Inga Schnekenburger

Abbildung: Huflattich (Tussilago farfara), Foto von Inga Schnekenburger
für Selma Meerbaum-Eisinger die Hoffnungsstrahlen
für Matthias Claudius gegen Schwindsucht

Die Pflanze: Huflattich Die Geburtstagskinder
Achtung, aufgrund der toxischen Eigenschaften der Pyrrolizidinalkaloide ist die uneingeschränkte Nutzung dieser Pflanze nicht mehr zu empfehlen. Informationen bei awl.ch
  • Selma Meerbaum-Eisinger
  • Matthias Claudius

Bauernregel: Der August muss Hitze haben, sonst wird der Obstbaumsegen begraben. Mehr Bauernregeln


 

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein!
Nein. Das Leben ist rot, Das Leben ist mein. Mein und dein. Mein.

Selma Meerbaum-Eisinger

 

aus: Selma Meerbaum-Eisinger: "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt."
Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund. Frankfurt 1984

Computercollage: "Zum Gedenken an Selma Meerbaum-Eisinger" von Inga Schnekenburger 2003

Computercollage: "Zum Gedenken an Selma Meerbaum-Eisinger"
von Inga Schnekenburger 2003

Veranstaltungshinweis: Selma-Konzert in Berlin, 8.09.07

Selma-Konzert in Berlin, 8.09.07

Selma Meerbaum-Eisinger, Lyrikerin

geboren am 15. August 1924 in Czernowitz (Rumänien)
gestorben am 16. Dezember 1942 im SS-Arbeitslager Michailowska

Biographie

Selma Meerbaum-Eisinger wurde am 15. August 1924 in Czernowitz geboren, war also bei Kriegsausbruch eben 15 Jahre alt. Mit Paul Celan war sie mütterlicherseits verwandt. Ihre ersten Gedichte entstanden 1939, kurz vor Kriegsbeginn. Es sind Naturgedichte und Liebesgedichte, gerichtet an ihren ein Jahr älteren Freund Lejser Fichman.
Er bereitete sich auf seine Auswanderung nach Palästina vor.

Antisemitische Vorfälle gab es bereits vor der erzwungenen Abtretung der Bukowina an die Sowjetunion am
26. Juni 1940. Auch von ihren Truppen wurden Juden verschleppt, allein am 13. Juni 1941 viertausend Männer, Frauen und Kinder. Mit dem erneuten Einzug rumänischer Truppen am 5. Juli 1941 erhielten die deutschen Verbündeten Rumäniens freie Hand bei der Judenverfolgung. Das Leben unter der Bedrohung ist auch in Meerbaum- Eisingers Gedichten spürbar. Einflüsse ihrer Lieblingsautoren (Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Paul Verlaine, auch von chinesischer Dichtung) sind nicht zu verkennen, eigene Töne und Bilder werden aber immer stärker, je gewaltsamer die Wirklichkeit in ihr Leben greift.

Mit der Einrichtung des Ghettos im Judenviertel (60.000 Menschen zusammengepfercht) hauste die Familie unter einem notdürftig mit Decken verhängten Arkadengang. Lejser Fichman wurde zur Zwangsarbeit abkommandiert. Selma Meerbaum-Eisinger sah ihn nie wieder. Sie, so erfuhr eine Freundin, floh aus dem Ghetto, wurde aber in der Stadt als Jüdin erkannt und verfolgt. Sie brach sich ein Bein, konnte aber das in diesem Fall schützende Ghetto wieder erreichen. Nach der Aufhebung des Ghettos wurde die Familie im Juni 1942 in ein Lager westlich des Bug deportiert, wo sie drei Monate unter freiem Himmel in einem Steinbruch kampierte.

Selma Meerbaum-Eisinger starb am 16. Dezember 1942 an Flecktyphus im SS-Arbeitslager Michailowska.

Diese Biographie folgt der Einleitung von Jürgen Serke zu dem Gedichtband Selma Meerbaum-Eisinger:
"Ich bin in Sehnsucht eingehüllt." Ich bin in Sehnsucht eingehüllt....

Vertonungen

Trauer
Lichter spiegeln sich in schmutzig-nassen Pfützen,
gelb und fettig, schmutzig auch und schwer.
Helle Häuserfenster können gar nichts nützen.
Tore hallen hehr und leer...

Vertont von Herbert Grönemeyer. Erschienen am 24. Februar 2003 auf dem Album "World Quintet feat. Herbert Grönemeyer" Herbert Grönemeyer interpretiert das Gedicht "Trauer", das die 16jährige Selma Meerbaum-Eisinger geschrieben hatte, bis sie in einem Konzentrationslager zu Tode kam. (aus dem Album "Individuelle Projekte", 2000)

Ich bin der Weg gen Untergang,
Der blonde Sonnentod.
Der braune Hirtenpfeifenklang,
Das müde Abendrot,

Mein Bruder, geh Du mir nicht nach
Mein Gen ist nur Vergehn.
Häng Deinen jungen Glauben nicht

An meine blaue Trän'...

Meine Schönheit ist ein Messer
die stößt dir durch Dein Herz,
in Wein getaucht zwei Lippen,
mein ewig blauer Schmerz.

meine Sehnsucht ein Zigeuner
im wilden Wind gewälzt,
eine tote weiße Mutter,
auf dunkler Abendschwell

Mein Bruder, geh Du mir nicht nach
Mein Gen ist nur Vergehn.
Häng Deinen jungen Glauben nicht

An meine blaue Trän'...

vertont von Karsten Troyke: Lieder nach Texten von Selma Meerbaum-Eisinger. Weitere (Troyke/ Itzik Manger. Dt. Text: Selma Meerbaum-Eisinger)

Ich bin der Regen (Troyke/ Selma Meerbaum-Eisinger)
.Nimm hin mein Lied (Troyke/ Selma Meerbaum-Eisinger)
Schlaflied für mich (Troyke/SelmaMeerbaum-Eisinger)
Leg den Kopf auf meine Knie (Leyvick/Bimov Dt. Text: Selma Meerbaum-Eisinger)
Linktipp: www.raumer-records.de

Buchtipp

Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, von Jürgen Serke, Selma Meerbaum-Eisinger. Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund. bei amazon.de

CD-Tipp

Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, 1 Audio-CD von Selma Meerbaum-Eisinger bei amazon

Sammlung von Links der Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger

Bleistiftskizze
Das Glück
Das Leben ist bunt
Es ist so viel buntes Geschehen
Hände
ch bin der Regen
Ich bin die Nacht
Ich möchte leben
Lied (Heute tatest du mir weh)
Lied (Nimm hin mein Lied)
Poem
Regen
Regenlied
Rote Nelken
Schlaflied für dich
Schlaflied für die Sehnsucht
Sehnsuchtslied
Spürst du es nicht, wenn ich um dich weine
Tragik
Tränenhalsband
Träume
Welke Blätter

www.litlinks.it/m/meerbaum.htm

 

Ein weiteres Geburtstagskind

Der Maler Christian Gottlieb Schick, geboren am 15. August 1776 in Stuttgart, gestorben am 7. Mai 1812 in Stuttgart. Wirkungsorte: Paris, Rom, Stuttgart

 


Link- und Veranstaltungstipp: antifa-action-day, am 20. August im bayrischen Wunsiedel

Alljährlich finden in Wunsiedel Gedenkmärsche anlässlich des Todestages von Kriegsverbrecher Rudolf Hess statt. Diese Aufmärsche sind ein besonders deutliches Beispiel für NS-Verherrlichung und Geschichtsrevisionismus. Vor diesem Hintergrund hat sich die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen gegründet. Sie richtet sich gegen jede Art von NS-Verherrlichung, Revisionismus und Relativierung der Deutschen Geschichte. In diesem Jahr jährt sich die Befreiung vom Nationalsozialismus zum 60ten Mal: Erinnerung an alle Antifaschistinnen und Antifaschisten, die gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben und Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes.
www.ns-verherrlichung-stoppen.tk

Hinweis

15.08.05, ZDF Das literarische Quartett tagt wieder! Es gibt eine Sondersendung zu Ehren von Thomas Mann. In Zukunft schließt Marcel Reich-Ranicki auch weitere Sendungen nicht aus! Link zu dasliterarischequartett.de


Matthias Claudius

Matthias Claudius

Geboren am 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein). Pfarrerssohn; Studium der Theologie und Jura

1764/65 Sekretär des Grafen Holstein
1768-1770 Mitarbeiter zweier Zeitungen in Hamburg
1771-1775 Herausgeber des »Wandsbecker Bothen«, dann auf Herders Vermittlung Oberlandeskommissar in Darmstadt.
seit 1777 freier Schriftsteller in Wandsbek. Befreundet mit Herder und Hamann.
1779 entstand sein berühmtestes Werk, das Abendlied "Der Mond ist aufgegangen". Es folgten zahlreiche weitere volksliedhafte Dichtungen ("Der Mensch", "Der Tod und das Mädchen").

Die letzten Jahre vor seinem Tod wirkte Claudius bei Karl Wilhelm Friedrich von Schlegels Zeitschrift "Deutsches Museum" mit. Claudius starb am 21. Januar 1815 in Hamburg.

Abendlied von Mathias Claudius

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Fritze

Nun mag ich auch nicht länger leben,
verhaßt ist mir des Tages Licht;
denn sie hat Franze Kuchen gegeben,
mir aber nicht.

Ein Lied für Schwindsüchtige

Weh mir! Es sitzt mir in der Brust,
Und drückt und nagt mich sehr;
Mein Leben ist mir keine Lust
Und keine Freude mehr.

Ich bin mir selber nicht mehr gleich,
Bin recht ein Bild der Not,
Bin Haut und Knochen, blaß und bleich,
Und huste mich fast tot.

Die Luft, drein herrlich von Natur
Gott seinen Segen senkt,
Und daraus alle Kreatur
Mit Heil und Leben tränkt;

Die ist für mich nicht frei, nicht Heil.
Mein Atem geht schwer ein;
Ich muß um mein bescheiden Teil
Mich martern und kastein.

Und doch labt's und erquickt's mich nicht,
Macht's mir nicht frischen Sinn;
Die Blume, die der Wurm zersticht,
Welkt jämmerlich dahin!

Auch Schlaf, der alle glücklich macht,
Will nicht mein Freund mehr sein,
Und lässet mich die ganze Nacht
Mit meiner Not allein.

Die Ärzte tun zwar ihre Pflicht,
Und fuschern drum und dran;
Allein sie haben leider nicht
Das, was mir helfen kann.

Mein Hülf allein bleibt Sarg und Grab,
O sängen an der Tür
Sie schon, und senkten mich hinab!
Wie leicht und wohl wär's mir!

O sängen doch an meiner Tür
Sie laut: "Ich habe meine Sach etc."
Und trügen mich, und folgten mir
In langer Reihe nach,

Rund um die Kirch ans Grab heran,
Und senkten mich hinein! -
Ich läg und hätte Ruhe dann,
Und fühlte keine Pein.

Doch ich will leiden, bis Gott ruft,
Gern leiden bis ans Ziel.
Nur deinen Trost! und etwas Luft!
Du hast der Luft so viel.

Stichworte

  • Homöopathie
  • Volksmedizin
  • Wildkraut

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Hinweis: Die medizinischen Informationen ersetzen keine notwendige ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.


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Der Heilpflanzengarten im Computergarten. Idee und Text: Inga Schnekenburger 2005. Gestaltung: Match Moschus


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