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Foto: Inga Schnekenburger,
vom 1. Mai 2004: Das schöne Gartenhäuschen
Zum
29. April
dem Tage des Gartenkaufs
In
diesem Saeculo im Jahre Siebenneunzig
Starb hier ein Advokat, in seiner Rasse einzig,
In praxi wohlgeübt ein Phönix seltner
Art,
In welchem Redlichkeit mit Klugheit sich gepaart.
Der Witwe hinterließ er nicht das Geld
bei Haufen,
Drum suchte sie sogleich den Garten zu verkaufen,
Mit Bäumen gut besetzt und einen Acker
groß,
Verwahrt mit roter Tür und einem großen
Schloß.
Die Frau Kreisamtmannin ersuchte den Kreisamtmann
Den Garten zu erstehn – Sie sprach so
sanft: "Verdammt, Mann!
Ein jedes hat allhier so einen Gartenfleck,
Und wir – was haben wir? – wir haben
einen –
Es ist nicht auszustehn, wo soll ich Kaffee
trinken?
Und muß die Stube nicht mir an im Sommer
stinken?"
Der Ehherr rief den Schmidt aus Konfraternität,
Gab ihm den Auftrag, und des Preises Quantität.
Der Auktionstermin ließ immer auf sich
warten,
Indes wir, voll Reform, auf die Entscheidung
harrten.
Der Garten ward besehn, bewundert und gelobt,
Und dann voll Ungeduld nach Weiberart getobt.
Den neunundzwanzigsten April vergeß ich
nimmer.
Apollo reiche mir zuvor den Saitenstimmer!
Früh seifte der Barbier des Herrn Kreisamtmanns
Bart,
Als von dem Gartenkauf auch so gesprochen ward.
" Wo trifft die Witwe wohl auf bessere
Bezahler.
Mein Ultimatum ist: Zweihundertsechzig Taler."
Der Herr der Bärte schrieb sich dieses
hinters Ohr,
Und trugs beim nächsten Bart des Kuratoris
vor.
" Gefunden" schrie entzückt Herr
Topf, der Topf der Töpfe,
Springt auf mit halbem Bart, sucht seine Hemdenknöpfe,
Läuft zur Kurandin stracks, in Sprung,
Galopp und Trab,
Kommt, sieht den Käufer an, und schließt
den Handel ab. –
In frohern Hoffnungen war Cäsar nicht zerronnen,
Als er die große Schlacht bei Pharsalus
gewonnen,
Als unsre Rahel jetzt, da nun der Schlüssel
kam,
Und sie, nach zartem Streit, ihn in Empfang
nun nahm.
Beglückwünscht ward sie hoch –
bei Tisch ward manch Projekt
Präliminariter von jedem ausgeheckt –
Nur für Reformen und für Hüttchen
hat sie Ohren.
Er aber sitzt so kalt, als hätt er taube
Ohren.
Wir tranken Kaffee erst – ich redte, ohne
Ruhm
Zu melden, viel und schön, vom neuen Eigentum.
Dann gingen wir hinaus – es weht ein leises
Windchen –
Voraus die Phantasie – wie einst Tobias'
Hündchen.
Wir langen an – er reicht den Hut und
Schlüssel ihr.
Ein jeder zieht den Hut – auf donnerte
die Tür.
Vor Adams offnem Maul lag so das Paradies,
Als hier der Garten sich den trunknen Blicken
wies.
Zu kühne Muse schweig von diesen Augenblicken,
Viel besser ist es hier die Augen zuzudrücken.
Der zählt den Sand am Meer und Berenicens
Haar
Der die Projekte kennt, die hier der Rausch
gebar.
Kurz, endlich gingen wir nach vielem Tun und
Reden
Wie unsrer Eltern Paar aus diesem Garten Eden.
Nun gingen wir herum, sahn über jeden Zaun,
Und mußten in der Luft noch manches Schlößchen
baun. –
Heil aber Tennstedt dir – welch Glück
ist dir geworden
Mit dieser Bürgerin vom Seraphinen-Orden!
Heil dir auch, Rahels Ruh – es wird in
kurzer Zeit
In Hirschfelds Almanach dir auch ein Blatt geweiht.
Dir aber liebes Paar! wünscht, ohne Kapp
und Schellen
Ein Freund, den Lieb und Treu euch ewig zugesellen,
Auf diesem trauten Fleck den lieblichen Genuß,
Der tief im Herzen quillt und nie versiegen
muß.
O feiert manches Jahr hier schöne Ruhestunden
Bleibt bis zum späten Herbst in stiller
Lust verbunden!
Und bin ich einst ins Land der Sehnsucht heimgekehrt,
So denkt: auch er wär hier wohl eines Plätzchens
wert.
Gedicht
von Novalis
Novalis
im Computergarten
Freiherr Georg Philipp
Friedrich
Leopold von Hardenberg, NOVALIS, 1772 - 1801
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