Am 24. April ist Internationaler Tag des Versuchstiers.
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Der Computergarten am 24. April

Blütenschneegestöber

Blütenschneegestöber
Foto "Blühender Pflaumenbaum " 2001 von © Willi Schnekenburger für Carl Spittteler
Musik zu "Die Blütenfee", komponiert im März 2002 von © Erich Toth, Wien, "Klavier 4".

Die Blütenfee

Maien auf den Bäumen, Sträußchen in dem Hag.
Nach der Schmiede reitet Janko früh am Tag.
Blütenschneegestöber segnet seine Fahrt,
Lilien trägt des Rößleins Mähne, Schweif und Bart,
Lacht der muntre Knabe: "Sag' mir, Rößlein traut:
Bist bekränzt zur Hochzeit, doch wo bleibt die Braut?"
Horch, ein Pferdchen trippelt hinter ihm geschwind,
auf dem Pferdchen schaukelt ein holdselig Kind.
Solche kleine Fante nimmt man auf den Schoß,
auf die Schulter wirft er's spielend: Ei! wie groß!
Zappelnd schreit die Kleine: "Böser Bube du!
Weh! ich hab verloren meinen Lilienschuh."

Rückwärts sprengt er suchend ein geraumes Stück.
Wie er mit dem Schuhe eilends kam zurück,
an des Kindes Stelle saß die schönste Maid.
Da geschah dem Jungen süßes Herzeleid.
Flüsterte die Schöne: "Liebster Janko mein,
hab' ein kostbar Ringlein, strahlt wie Sonnenschein.
Bin dir hold gewogen, schenk' es dir zum Pfand.
Weh! ich hab's vergessen, badend an dem Strand."

Wie er mit dem Ringlein wiederkehrte: schau!
Hing gebückt im Sattel eine welke Frau.
Ihre Zunge stöhnte: "Janko! du mein Sohn,
weh! ein Tröpfchen Wasser! Schnell! um Gotteslohn."

Wie er mit dem Wasser kam zum selben Ort,
war zu Staub und Asche Weib und Pferd verdorrt.

Gedicht von Carl Spitteler


 

Biographie
Carl Spitteler wurde am 24. April 1845 in Liestal bei Basel geboren

Er war Landpfarrer, Hauslehrer in Russland und Hauslehrer in Finnland, Lehrer in der Schweiz, Redakteur in Basel und in Zürich ("Neue Zürcher Zeitung"), später arbeitete Carl Spitteler als freier Schriftsteller.

Er schrieb mythologische Epen, in denen antike Götter und Heroen modern umgedeutet werden. Seine Gestalten verkörpern Außenseitertum und zeigen Mitleid mit dem Leiden der Unschuldigen in der Welt. Spitteler war auch Lyriker, Erzähler und Essayist. Im Dezember 1914 hielt Carl Spitteler vor der Neuen Helvetischen Gesellschaft in Zürich eine berühmt gewordene Rede: "Unser Schweizer Standpunkt".

In Europa tobte der Erste Weltkrieg. Viele Deutschschweizer sympathisierten mit Deutschland und die Romands mit Frankreich. Carl Spitteler distanziert sich in seiner Rede von der deutschen Politik und ruft zu Neutralität und nationaler Eintracht auf. Die Rede prägt das Schweizer Nationalbewusstsein nachhaltig. Diese eindeutige Stellungnahme hat wohl dazu beigetragen, dass Spitteler den Nobelpreis erhielt: "Er wurde auch als deutschsprachiger Schriftsteller ausgezeichnet, der nicht deutschnational war", meint Werner Stauffacher. 1919 erhielt Carl Spitteler als erster Schweizer den Nobelpreis für Literatur.

Carl Spitteler starb am 29. Dezember 1924 in Luzern.

Carl Spitteler
1845 - 1924

Portrait Carl Spitteler
schweizerischer Schriftsteller
Nobelpreisträger Literatur

Bild: Portrait Carl Spitteler

Leider gibt es zur Zeit keine Bücher von Carl Spitteler im deutschen Buchhandel. Dies ist bedauerlich, da Carl Spitteler zumindest in der Schweiz etwas mehr Ehre verdient hätte: bis heute ist er der einzige Schweizer geblieben, der je einen Nobelpreis für Literatur erhalten hat.

Werke

  • 1881 Prometheus und Epimetheus
  • 1883 Extramundana
  • 1888 Bacillus
  • 1889 Das Bombardement von Åbo
  • 1889 Schmetterlinge
  • 1890 Das Wettfasten von Heimligen
  • 1891 Friedli der Kolderi
  • 1891 Gustav
  • 1892 Literarische Gleichnisse
  • 1892 Der Ehrgeizige
  • 1896 Balladen
  • 1897 Der Gotthard
  • 1898 Conrad, der Leutnant
  • 1898 Lachende Wahrheiten
  • 1900 Die Auffahrt
  • 1901 Hera die Braut
  • 1903 Die hohe Zeit
  • 1904 Ende und Wende
  • 1900- 1905 Der olympischer Frühling, 4 Bände, (Zweite Fassung 1910)
  • 1906 Imago (psychoanalytischer Roman)
  • 1924 Prometheus der Dulder

Literatur
Werner Stauffacher: Carl Spitteler, Biographie, Zürich, Artemis Verlag, 1973.

Linktipps
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  • Carl Friedrich Georg Spitteler Autobiography www.nobel.se
    The Nobel Prize in Literature 1919 "in special appreciation of his epic, Olympian Spring"
  • Gedichte von Carl Spitteler alphabetisch nach Titeln sortiert.
    Carl Spitteler im Projekt Gutenberg gutenberg.spiegel.de
  • Carl Spitteler, Das Bombardement von Åbo
    Erzählung nach einem historischen Vorgang der Neuzeit gutenberg.spiegel.de
  • Das bescheidene Wünschlein
    Gedicht von Carl Spitteler www.recmusic.org
  • Der Olympier Carl Spitteler: Als einziger Schweizer erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Seine Rede "Unser Schweizer Standpunkt" hat das Schweizer Nationalbewusstsein geprägt.
    Carl Spittelers Rede im ersten Weltkrieg bei Baselland
  • Sendung oder Selbstbescheidung
    Carl Spitteler
    und Max Huber als Antipoden schweizerischer Aussenpolitik
    beim NZZ-Online-Archiv

50 Gedichte über Bäume mit 50 Bildern, auch als CD

 

 
 

 

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